Schweizer Gewerkschaften bei Lohnverhandlungen gleich geschickt

Zürich (APA/sda) - Die Schweizer Gewerkschaften sind über alle großen Branchen hinweg bei den Lohnabschlüssen etwa gleich erfolgreich. Das z...

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Zürich (APA/sda) - Die Schweizer Gewerkschaften sind über alle großen Branchen hinweg bei den Lohnabschlüssen etwa gleich erfolgreich. Das zeigt ein Vergleich der Abschlüsse der Gesamtarbeitsverträge (GAV) der letzten zehn Jahre. Entscheidender als das Verhandlungsgeschick scheint die Wirtschaftslage in den Branchen zu sein.

Vom Elektriker über die Lehrerin bis zum Automechaniker haben sie alle seit 2004 zwischen 10,4 und 12,8 Prozent mehr verdient. Deutlich schlechter abgeschnitten haben nur die Angestellten in der Industrie, deren Lohn lediglich um 8,6 Prozent angewachsen ist. Hier jedoch ist der Grund offensichtlich nicht schlechtes Verhandeln der Gewerkschaften, sondern der starke Franken.

Die ungünstigen Wechselkurse und die Krise in der Eurozone haben die Exportindustrie und damit auch die Löhne in dieser Branche unter Druck gesetzt. Das bestätigt auch ein Blick in die Statistik. Bis 2009 wuchsen die GAV-Löhne in dieser Branche im Gleichschritt mit den anderen Wirtschaftszweigen. Erst danach gerieten sie in Rückstand.

Der Vergleich zwischen den Wirtschaftssektoren zeigt zudem, dass in den letzten zehn Jahren die Löhne im Dienstleistungssektor (+15,1 Prozent) zwar merklich schneller gewachsen sind als in der Industrie und im Gewerbe (+11,2 Prozent). Dieses schnellere Wachstum beschränkt sich im Dienstleistungssektor jedoch auf einige wenige Branchen.

So haben vor allem die Gehälter in den Bereichen Nachrichtenübermittlung und Verkehr deutlich zugelegt. Im Gesundheits- und Sozialwesen und für die Lehrerinnen und Lehrer dagegen waren die Anstiege moderat.

Wer in der Schweiz als Angestellter einem GAV untersteht, gehört einer Minderheit an. Laut BFS sind nur rund 40 Prozent aller Saläre GAV-Löhne. Das gesamte Lohnuniversum der Schweiz dagegen bildet der schweizerische Lohnindex ab. Er zeigt, dass die GAV-Löhne durchaus ein korrektes Abbild der Schweizer Lohnlandschaft abgeben. In Wirtschaftsbereichen ohne GAV sind die Löhne seit 2004 weder deutlich schneller noch markant langsamer gewachsen.

Einziger deutlicher Ausreißer ist wenig überraschend die Finanzbranche. Mit einem Anstieg um 15,2 Prozent von 2004 bis 2013 gegenüber 10,6 Prozent in der Gesamtwirtschaft sind hier die Löhne markant stärker gewachsen als in anderen Branchen. Völlig aus dem Rahmen fällt jedoch auch dieser Lohnanstieg nicht.

Dabei verhandeln in den Banken und den Versicherungen nicht eine große Gewerkschaft, sondern die kleinen Personalkommissionen in den Unternehmen. Offensichtlich wissen auch diese, wie Lohnerhöhungen auszuhandeln sind. Der Schweizerische Bankpersonalverband SBPV gibt für diese Verhandlungen lediglich Empfehlungen ab.


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