Fünfzig Jahre grün gebaut

Imst – Wer glaubt, die so genannte „Grüne Architektur“ sei eine Erfindung der letzten zehn, zwanzig Jahre, der irrt. Auch die Geburtsstunde ...

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Gebi Schatz begrüßte Irmgard Plotz, Autorin des Bildbandes „Leichtfüßig“ über grüne Architektur in Österreich.
© Hauser

Imst –Wer glaubt, die so genannte „Grüne Architektur“ sei eine Erfindung der letzten zehn, zwanzig Jahre, der irrt. Auch die Geburtsstunde der ersten Fertighäuser in Österreich liegt viel weiter zurück, als man glauben möchte. Dass die Kombination Fertighaus und biologische Bauweise bereits im Jahre 1964 Österreich-Premiere feierte, das wissen wohl nur ausgewiesene Architekturexperten.

Wann, wo und wie das erste grüne Haus entstanden ist, darüber informierten eine Ausstellung und eine Buchpräsentation in der Imster Tschett-Feuergalerie von Gebi Schatz. Es waren die wilden 60er Jahre, die Zeit des Umbruchs, die Zeit der Neuorientierung. Neue Lebensformen wurden erprobt, Flower-Power war angesagt, die Hinwendung, das Zurück zur Natur wurde intensiv gelebt. Die Erfindung eines neuen biologischen Baumaterials, ausschließlich aus Holz hergestellt, fiel geradezu zwangsläufig in diese Zeit.

Die nach Plänen von Architekt Roland Rainer aus chemiefreien Hartfaserplatten gebauten „Lignostahl-Häuser“ feierten im Jahr 1964 ihre Geburtsstunde. Die Hartfaserplatten, bestehend aus Holzabfällen, Sägespänen, Schleifstaub und zellulosehaltigem Material, wurden ohne Zusatz von Kunstharzen oder sonstigen Chemikalien nach dem so genannten Mixolit-Verfahren in Haiming hergestellt. Aus architektonischer Sicht standen neben der Verwendung des chemiefreien Baustoffs eine leichte Baukonstruktion sowie der Bezug zur Bauhaus-Architektur und zu den Anfängen des sozialen Wohnbaus im Vordergrund. Von den zu dieser Zeit errichteten Häusern überdauerten nur einige Objekte die 1960er Jahre. Eines der Häuser soll in Niederösterreich wieder aufgestellt werden. Die Geschichte dieser Architektur, die Verfahrenstechnik, die vielfältige Verwendung der Mixolitplatten im Sinne eines günstigen Wohnens auch in der Möbelherstellung und noch viele andere Details hat die Architekturexpertin Irmgard Plotz in einem Bildband mit dem Titel „Leichtfüßig“ zusammengefasst. (hau)


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