Auch Blechsalat kann schmecken

Die zweite Auflage des HBX Stock Car Demolition Race im Ötztal Dome in der Area 47 lockte am Samstagabend – 4000 Fans sahen ein dreistündiges Spektakel und feierten den neuen Sieger Josef Eiter.

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Von Toni Zangerl

Haiming, Ötztal –Gute Manieren hinterm Lenkrad und Rücksicht auf andere Fahrer – das ist bei den Akteuren der Stock-Car-Szene nicht gewünscht. Und mit einer Straßenverkehrsordnung im üblichen Sinn haben sie sowieso nicht das Geringste am Hut. Sie müssen es auch nicht. Denn Stock-Car in Europa bedeutet im Gegensatz zu Amerika, wo dies eine Motorsportart ­(Nascar) ist: Drängeln und Crashen ist Pflicht!

Erst wenn der fahrbare Untersatz des Gegners als Totalschaden rauchend auf der Strecke liegt, dann ist das Ziel erreicht und der Platz im Finale sicher, der Sieg vielleicht auch.

Das erlebten die rund 4000 Besucher am Samstag in der ausverkauften Event-Halle Ötztal Dome der Area 47, wo 35 Fahrer und eine Fahrerin (Petra Lechleitner) in mühevoller Arbeit ihre Fahrzeuge erfolgreich nach allen Regeln der Kunst zu Schrott fuhren. Die Motorsportfans waren aus dem Häuschen. Auf dem 2500 Quadratmeter großen Rundkurs war zuvor mit 250 Lkw-Fuhren Erdmaterial ein Oval geformt worden. Der Geruch von Gummi, Öl und Benzin füllte die 19 Meter hohe Halle, zwei Tänzerinnen sorgten für optische Reize, und die Sprecher heizten die Stimmung an.

Da war Hausherr Hansi Neuner happy: „Schon beeindruckend, was hier den Zusehern geboten wird. Und wenn dann am 18. Oktober Europas beste Motocrosser beim Kini-Supercross-Event am Start sind, wird die Halle erneut bis auf den letzten Platz gefüllt sein.“ Sagte es und eilte davon, um die Tore zu öffnen und für Frischluft zu sorgen. Ein Fahrzeug war unter dem Jubel der Zuseher auf dem Dach gelandet, und Rauch aus dem Motorraum vernebelte die Halle.

In der Zwischenzeit hatten Fans die Gelegenheit, im Quad am Beifahrersitz ein Fahrerlebnis der seltenen Art zu genießen. „Super war’s, echt geil!“ – die Kommentare waren eindeutig.

Und auch sonst wurde den Zusehern viel Abwechslung geboten: Österreichs „Strongman“ Wolfgang Hell und Motocross-Lokalmatador Lukas Neurauter sowie Jürgen Seelos mit seinem Rallyecross-Buggy steuerten ihren Teil zu einem rundum gelungenen Action-Abend bei.

Vor der Halle herrschte im Fahrerlager hektische Betriebsamkeit. Die eiligen Vorbereitungen für die Qualifikationsläufe verlangten Teamarbeit: Gebrochene Achsen, zerbeulte Karosserien, platte Reifen – alles außer dem Motor wurde getauscht und in fahrtauglichen Zustand versetzt: „Ich liebe mein Schatzi, mit ein paar Kabelbindern wird die Stoßstange schon halten und dann – wenn wir gewinnen –, werden wir es fürs nächste Mal wieder aufpolieren“, scherzte das Team von Jürgen Seelos. Platz fünf war’s dann schließlich. Und das „Schatzi“? Das kam auf den Schrotthaufen.

Mittlerweile hatte auch der geplagte Parkplatzwärter der Area 47 – Chiles Meisterboxer Joel Mayo – seinen Job erledigt, als zur ultimativen Finalrunde gerufen wurde.

Der Nachfolger von Vorjahressieger Daniel Brugger wollte gekürt werden. Actionreich und im Stil der Champions wurden die Finalisten unter dem Applaus der Zuseher in die Arena gerufen – allesamt Kandidaten für den Schrottplatz. Schönheitspreis gab’s zu diesem Zeitpunkt um 22.30 Uhr keinen mehr.

Noch einmal reihte das Safety-Car mit zwei kessen Beifahrerinnen die zwölf Finalisten hinter sich, ehe Organisator Lukas Neurauter von „Haiminger Berg Motorsport-extrem“ (HBX) entspannen konnte. „Super war’s, danke, bis zum nächsten Mal.“

Neu war der Sieger: Josef Eiter (Team Friseur Klemens) mit seinem Volvo und Startnummer 531. „Den hat er bei mir gekauft, den hätt’ ich besser selbst behalten“, scherzte Jürgen Seelos aus Tarrenz.


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