Die Kriegstrompete von Leisach

Josef Kalser barg in Leisach ein Stück einer keltischen Kriegstrompete, einer Carnyx. Er veröffentlichte dazu ein Buch, muss sich aber auch Kritik gefallen lassen.

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Von Christoph Blassnig

Leisach –Sein Leben lang hat ihn die Suche nach Zeugnissen aus der Vergangenheit in und um seinen Heimatort nicht losgelassen, sagt Josef Kalser: „Über Jahrzehnte Entdecktes habe ich in meinem Buch in Zusammenhang gebracht. Ich hoffe, dass weitere Untersuchungen am Klösterle-Bichl folgen und meine Interpretationen eines Tages bestätigen werden.“ Er glaubt, die Überreste der bis heute nicht genau lokalisierten „Neuenburg“ in Leisach nachweisen zu können.

Der Innsbrucker Archäologe Harald Stadler hält manches in Kalsers Buch für originell, einige Ideen seien anregend, manche Skizzen diskussionswürdig. „Dennoch: Es sind Annahmen und Mutmaßungen eines begeisterten Hobby- und Heimatforschers, die keinem wissenschaftlichen Diskurs standhalten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.“

Stadler hat die vergessene Burg von Leisach selbst als Student besucht und dokumentiert. „Auch wenn sich Josef Kalser in der Zwischenzeit vom Saulus zum Paulus der Sondengänger gewandelt hat. Wir werden die Anlage scharf im Auge behalten.“ Weitere wissenschaftliche Untersuchungen bedürften einer ordentlichen Vorbereitung und einer Finanzierung. „Zu achtzig Prozent sind diese gesichert.“

Paul Gleirscher vom Landesmuseum Kärnten wurde vor zwei Jahren von Josef Kalser über neue Funde informiert. „Eine schillernde Sammlung von erstaunlichem Umfang. Inmitten ein zwanzig Zentimeter langes Bronzeröhrchen mit weiteren Fragmenten, das der Kenner sofort als Teilstücke einer Carnyx erkennt.“ Vom 4. bis zum 2. Jahrhundert vor Christus war das knapp zwei Meter lange Blasinstrument mit Eberkopf ein Symbol der Kelten für ihren Kriegsgott Teutates, und für seinen markdurchdringenden Ton bekannt und gefürchtet.

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„In ganz Europa, von Schottland bis Rumänien, sind nur zehn solche Kampftrompeten in Teilen geborgen worden. Leisach wäre die elfte Fundstätte.“ Kalser zieht im Buch Parallelen zum Osttiroler Brauch der „Krapfenschnapper“. „Rein äußerlich mag ein gewisses übereinstimmendes Grundelement mit einer Carnyx im Raum stehen bleiben. Mehr nicht“, sagt dazu Gleirscher.

„Der kleine, am Schlossberg geborgene Münzschatz, mit unterschiedlichsten Währungen und Prägungen, beweist einmal mehr die weit überregionale Bedeutung des Lienzer Raumes. Dieser Fund alleine wäre schon eine Sensation“, betont Historiker Helmut Rizzolli aus Bozen.

Über sechshundert Einzelstücke hat Josef Kalser in Leisach zusammengetragen. Am Samstag wurde die Sammlung zur wissenschaftlichen Aufarbeitung nach Innsbruck gebracht. Drei Jahre werden diese Arbeiten voraussichtlich dauern.


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