Dank einer Bernerin badet Boston im Charles River

Plymouth (APA/sda) - In Boston schwimmt Renata von Tscharner im Glück. Die Berner Raumplanerin hat ihr Ziel erreicht: Nach 50 Jahren der Ver...

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Plymouth (APA/sda) - In Boston schwimmt Renata von Tscharner im Glück. Die Berner Raumplanerin hat ihr Ziel erreicht: Nach 50 Jahren der Verschmutzung ist der Charles River wieder sauber genug, um darin zu schwimmen. Damit hat sie auch dazu beigetragen, die Stadt selbst „schweizerischer“ zu machen.

Das Unterfangen begann unter ungünstigen Vorzeichen. 1995 hatten die US-Behörden erstmals auf die Verschmutzung des Fließgewässers aufmerksam gemacht, 2002 hob Renata von Tscharner ihre Organisation aus der Taufe: die Charles River Conservancy. Als „verrückt“ stufte der Bundesstaat Massachusetts, dessen Hauptstadt Boston ist, das Projekt ein.

Niemand, prophezeite er, werde in diesem Fluss baden wollen, dessen Wasser von giftigen Sedimenten kontaminiert war. Nicht von ungefähr war ein Lied längst zum Klassiker geworden, das bei Baseball-Spielen der legendären Boston Red Sox gespielt wurde: „Ich liebe dieses schmutzige Wasser“, lauten die Zeilen.

Doch die Schweizerin schaffte es, die Regierung zu überzeugen, dass die seit 40 Jahren geltenden Abwasserreinigungs-Maßnahmen dahin führen müssen, das Baden im Charles River, zwischen Boston und Cambridge zu ermöglichen. Umso mehr, weil die Ufer - einst Parkplätze oder Brachen - in den 1990er-Jahren als Kompensation für ein großes Bauprojekt in Parks verwandelt worden waren.

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Während zwei Jahren wurde stündlich das Regenwasser und dessen Anteil an der Verschmutzung des berühmten Flusses analysiert. Die Behörden investierten insgesamt 500 Millionen Dollar in die Wasserreinigung. Eine Arbeitsgruppe aus verschiedenen Verbänden wurde gegründet. Und ein erstes jährliches Flussschwimmen über zwei Kilometer fand 2007 statt.

Doch es sollte 13 kämpferische Jahre dauern, mit unzähligen Bewilligungen und einem Gesetz, vom Stimmvolk 2009 gebilligt, bis endlich ein öffentlicher Bade-Tag möglich wurde. 2013 erstmals ausgetragen, wurde die Veranstaltung dieses Jahr zum zweiten Mal durchgeführt. Das große Baden ist fein säuberlich organisiert, jede Gruppe hat eine halbe Stunde Zeit, um zu schwimmen oder einfach kurz einzutauchen.

Die Bernerin lebt seit 1978 in Boston. Mit Wehmut erinnert sie sich, wie sie während ihrer Jugendjahre in der Aare, der Limmat und im Rhein schwamm. „Ich wollte meine Stadt etwas schweizerischer machen“, sagt sie. Für 2015 sind in Boston mehrere Bade-Tage geplant. Der Fluss kann während 70 Prozent der Zeit zum Schwimmen genutzt werden. Ziel ist es nun, einen permanenten Badeplatz zu erhalten.


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