Pures Gold: First Aid Kit betörten Wien

Wien (APA) - Ihrer Gesangsharmonien schwebten sanft durch den Raum, konnten aber bei Bedarf auch Zähne zeigen: First Aid Kit, die beiden Sch...

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Wien (APA) - Ihrer Gesangsharmonien schwebten sanft durch den Raum, konnten aber bei Bedarf auch Zähne zeigen: First Aid Kit, die beiden Schwestern Klara und Johanna Söderberg aus Stockholm, spielten am Samstagabend mit Band einen betörenden Gig im Rahmen des Waves-Festivals im Wiener Flex. Das Gebotene war pures Gold, die Musikerinnen zeigten, wie wertvoll eine Stunde Musik sein kann.

Mit viel Folk sind die Lieder der Geschwister durchtränkt, die gelassen und lässig zwischen Americana, Indie-Pop, Country-Rock und purem Country pendeln, ja mit dem Lied „Heaven Knows“ brachten First Aid Kit sogar einen beschwingten Hillbilly-Schunkler glaubwürdig unter. „Stay Gold“, das Titelstück vom aktuellen Album, hatte das von der Vienna Singwriting Association (VSA) präsentierte Konzert eröffnet - wunderbar arrangiert und instrumentiert, trotz Bandbegleitung und zwischendurch aufheulender Pedal-Steel-Gitarre blieben stets die Stimmen der Söderbergs im Mittelpunkt.

„Blue“ durchflutete den Club wie ein Sommerlüftchen, trotz des herbstlichen Textes. Auch das ist ein Erfolgsgeheimnis von First Aid Kit: Sie betten ihre Themen auf unwiderstehlichen, klugen Melodien. Das galt live besonders für den „Waitress Song“ mit der schönen Textzeile „So close to death I never felt more alive, but you know it‘s a dark twisted road we are on“. Sie sind jung und sehen auf der Bühne in ihren prächtigen Hippie-Gewändern wie Elfen aus, aber man nimmt ihnen die Geschichten von traurigen Lieben, unerfüllten Sehnsüchten und den Leiden ab.

In dieser Stadt wird bei ruhigeren Stücken gerne schamlos geschwätzt. First Aid Kit gelang das Kunststück, das Publikum selbst bei ganz leisen Tönen zum Zuhören zu bringen. „Ghost Town“ vom Album „The Big Black & The Blue“ von 2010 sangen sie sogar komplett ohne Mikrofone, begleitet nur von Klaras Gitarre. Gleich darauf kam „My Silver Lining“ im Bombast-Sound und fügte sich nahtlos an den zarten Vorgängersong an. Beim Jack-White-Cover „Love Interruption“ (inklusive kurz angespieltem „Seven Nation Army“) wurden schließlich die Gitarren etwas ungezügelter bedient.

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Denn sanft sind First Aid Kit nicht unbedingt, „The Lion‘s Roar“ etwa hat Kraft von Heavy Metal. Nur zu verständlich, dass dazu Johanna ihre Mähne wie ein Headbanger schüttelte, während sie Tasten ihres Keyboards drückte. Und ganz am Ende, bei „Emmylou“, der Verneigung vor Emmylou Harris und Gram Persons, war der Harmoniegesang endgültig in kosmischen Sphären angelangt.

(S E R V I C E - www.thisisfirstaidkit.com)


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