„Der Widerspenstigen Zähmung“ als Ekelshow im Travestie-Look in Graz

Graz (APA) - Eine trübe und ziemlich hirnlose Angelegenheit ist die diesjährige Produktion der Grazer Kunstuniversität auf der Probebühne de...

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Graz (APA) - Eine trübe und ziemlich hirnlose Angelegenheit ist die diesjährige Produktion der Grazer Kunstuniversität auf der Probebühne des Schauspielhauses geworden: Zu Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ ist Regisseurin Holle Münster nichts eingefallen, als dass sich das Paar in seiner Vorliebe für Ekel und Erniedrigung findet. Der Rest stöckelte bei der Premiere am Samstag als Transvestiten herum.

Heute noch Zugang zu diesem Stück zu finden, ist sicher schwierig, denn einfach nur zu zeigen, wie der Wille einer Frau gebrochen wird, sorgt eher nicht mehr für ungeteilte Zustimmung. Anstatt sich aber einen gangbaren Weg zu überlegen - oder ein anderes Drama zu wählen - setzte die Regisseurin schlicht auf ziemlich lächerliche Versuche, mit unappetitlichen Handlungen zu schockieren. Die Rolle der Katharina wurde auf wenige Textzeilen gestrichen, eine ganze Stunde lang darf sie kein Wort sagen, dafür sich aber drei Mal übergeben. Dazwischen isst sie Chips, schaut teilnahmslos und geht wieder kotzen.

Petruchio, als Außenseiter im dreckigen Unterhemd und von einem Benehmen, dass Mundl Sackbauer wie ein englischer Lord daneben wirken würde, macht aus der teilnahmslosen Bulimikerin Katharina eine gefügige Sexsklavin, die ihre Familie erschießt. Was letztlich doch irgendwie gegen diese Beziehung spricht, auch wenn die Frau dadurch wenigstens nicht mehr dauernd irgendwo hin speibt. Bianca ist eine Mischung aus Lolita und einem Mitglied der Addams-Familiy, eindimensional und ziemlich doof, ihre Verehrer passen zu ihr.

Das übrige Personal besteht aus schrill, aber immerhin sehr schön gekleideten Travestiekünstlern (Bühne und Kostüme: Thea Hoffmann-Axthelm). Dass Männer Frauen spielen und umgekehrt, passt schon zu Shakespeare und wäre an sich nicht so schlecht, nur reichen eine einzige Idee und eine ansprechende Ausstattung eben nicht. Vor der Bühne befinden sich lauter Wippen, über die die Darsteller mit mörderisch hohen Absätzen drüberstöckeln müssen. Es ist schade, dass die vermutlich guten jungen Schauspielerinnen und Schauspieler so wenig von ihrem Können zeigen dürfen. Aber als Härtetest eignet sich die Aufführung allemal: Wer danach nicht den Job wechselt, ist in diesem Beruf vermutlich am richtigen Platz.

(S E R V I C E - „Der Widerspenstigen Zähmung“ von William Shakespeare. Produktion der Kunstuniversität auf der Probebühne des Grazer Schauspielhauses. Regie: Holle Münster, Bühne und Kostüme: Thea Hoffmann-Axthelm. Weitere Termine: 11. und 18. Oktober, 4., 11., 20., 22. und 27. November 2014. Karten unter Tel. 0316/8000 oder mailto:tickets@buehnen-graz.com. www.schauspielhaus-graz.at)


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