Art Carnuntum: „Lysistrata Project“ in der römischen Therme

Carnuntum (APA) - Die rekonstruierte römische Therme im Archäologiepark Carnuntum war am Samstagabend Schauplatz einer internationalen Fried...

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Carnuntum (APA) - Die rekonstruierte römische Therme im Archäologiepark Carnuntum war am Samstagabend Schauplatz einer internationalen Friedenskonferenz in Theaterform: Das Nationaltheater von Nordgriechenland gastierte mit dem „Lysistrata Project“ nach Aristophanes, adaptiert und inszeniert von Yannis Paraskevopoulos, beim von Piero Bordin veranstalteten Festival Art Carnuntum.

Erwartungsvoll stellen sich die Besucher im überdachten Eingang an. Einige Male wird das Tor geöffnet, und eine nervös wirkende, geschminkte Frau erscheint, ruft einen Namen, hält sich die Hand vor die Augen, um das Scheinwerferlicht abzuwehren, drängt sich durch die Wartenden, sucht jemanden, kehrt zurück („sorry“) und verschwindet wieder hinter dem Tor. Allmählich fragt man sich, ob vielleicht noch nicht alle Mitwirkenden eingetroffen sind. Die angekündigte Beginnzeit ist mittlerweile auch überschritten. Und wieder hält die Frau Ausschau - diesmal mit Erfolg. Eine zweite Akteurin taucht auf, eine dritte, eine vierte. Streit bricht aus über die Verspätungen, dann wird entschieden, mit der Konferenz zu beginnen. Alle übersiedeln erleichtert ins Innere.

Im Saal finden sich die Besucher unversehens als Teilnehmer des Treffens integriert, indem sie Ländern zugeordnet oder auf reservierte Sitzplätze verwiesen werden. Dann beginnt die eigentliche Besprechung: Die Männer sollen durch sexuellen Rückzug der Frauen zur Abkehr vom Krieg und zum Friedensschluss gezwungen werden, schlägt Lysistrata (Yolanda Balaoura) vor. Ein Mittel, von dem Kaloniki (Loukia Basileioy), Myrini (Ioanna Pagiataki) und Lambito (Momo Vlachou) nur schwer zu überzeugen sind. Und da sich dieses Rezept offenbar nicht wirklich in der Geschichte bewährt hat, wird ein zweiter wirkungsvoller Schritt gesetzt: die Besetzung der europäischen Zentralbank anstelle der Akropolis.

Der Rest des gerade einstündigen Abends wird mit griechischem Liedgut verbracht. „Alle zusammen für diese Stadt - und wir auch!“ - so lautet ein Refrain. Ihre Erstaufführung hat die kleine, aber kompakte Produktion im April 2014 im europäischen Parlament in Brüssel erlebt. Bordin hat die deutsche Übersetzung besorgt und die eigenwillige „Lysistrata“-Kurzfassung nach Carnuntum geholt, an jenen Ort, wo ein halbes Jahrtausend nach Aristophanes der Philosophenkaiser Marc Aurel in seinen auf Griechisch verfassten Selbstbetrachtungen auch über das Theater nachgedacht hat.

(S E R V I C E - www.artcarnuntum.at)


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