„Baby Doc“: Diktator, Lebemann und Playboy

Port-au-Prince (APA/dpa/AFP) - Jean-Claude Duvalier war an der Côte d‘Azur wohlbekannt. Dort führte er in den ersten Jahren seines langen Ex...

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Port-au-Prince (APA/dpa/AFP) - Jean-Claude Duvalier war an der Côte d‘Azur wohlbekannt. Dort führte er in den ersten Jahren seines langen Exils in Frankreich ein Leben in Saus und Braus. Er besaß Wohnungen, zwischenzeitlich ein Schloss und eine Villa, während seine Landsleute im bitterarmen Karibikstaat Haiti in Elend und Not lebten. Er soll während seiner 15-jährigen Amtszeit Hunderte Millionen Dollar abgezweigt haben.

Sein Regime war auf Dauer angelegt, denn er hatte sich schon 1971 zum „Präsidenten auf Lebenszeit“ deklariert. Von seinem Vater François Duvalier hatte er damals im Alter von nur 19 Jahren nicht nur das blutige Terrorregime geerbt, sondern auch den Spitznamen. Hieß der Senior wegen seiner medizinischen Ausbildung „Papa Doc“, wurde aus Duvalier Junior kurzerhand „Baby Doc“.

„Zwischen 1971 und 1986 wurden insbesondere politische Führungskräfte, Journalisten, Gewerkschafter und vermeintliche Regierungsgegner Opfer willkürlicher Verhaftungen, Folter, politischer Morde und von „Verschwindenlassen““, bilanziert Amnesty International die dunklen Jahre von Duvalier Jr.

„Baby Doc“ studierte Jus und verschaffte sich einen Ruf als „Playboy“. Seine Glamour-Hochzeit 1980 mit Michéle Bennett kostete zwei bis drei Millionen Dollar, eine ungeheure Summe nicht nur für Haiti. Zynisch klingt da Duvaliers Zitat: „Es ist das Schicksal der Menschen von Haiti zu leiden.“ Doch zum Schluss rebellierte das Volk, auch weil seine Milizen „Tontons Macoutes“ Terror verbreiteten. Als die USA ihre schützende Hand über das Duvalier-Regime wegzogen, wurde er 1986 gestürzt. Am 16. Jänner 2011 kehrte er zurück.

Trotz der schwerwiegenden Vorwürfe gegen ihn wurde er nach seiner Rückkehr lediglich wegen Korruption und Veruntreuung angeklagt, doch kam er nach kurzer Zeit in Haft rasch wieder frei und das Verfahren wurde immer wieder blockiert. Opfer und Gegner von „Baby Doc“ werfen den Behörden vor, nicht alles unternommen zu haben, um ihn für Verbrechen gegen die Menschlichkeit, illegale Verhaftungen, Folter, politische Morde und Korruption zur Rechenschaft zu ziehen.

Am Samstag (4. Oktober 2014) starb er an Herzversagen in Port-au-Prince.


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