Vom „Amperl“ bis zum „Wetzstoa“ - Volksmusik-Sex als Kunstprojekt

Salzburg (APA) - Tagelang hat Theresa Meikl in Salzburger und Wiener Volksliedwerkarchiven gekramt. Der Spross einer Salzburg-weit bekannten...

Salzburg (APA) - Tagelang hat Theresa Meikl in Salzburger und Wiener Volksliedwerkarchiven gekramt. Der Spross einer Salzburg-weit bekannten Familie von Volksmusik-Traditionalisten war auf der Suche nach einschlägigen Texten und wurde fündig. Was Meikl da ausgegraben hat, kann man als mehr oder weniger verklausulierten Sexismus des 19. Jahrhunderts bezeichnen, wie ein Konzertprojekt, gestern, Sonntagabend, bewies.

Für das Abschlusskonzert des interdisziplinären Filmfestivalformats „My Sound of Music“ von 2. bis 5. Oktober hat Meikl ein Trio zusammengetrommelt, das die Lieder modernisierte, zum Teil aber auch in den gewohnten Klangbildern wiedergab. Die Texte selbst wirkten prickelnd genug. In einem Wienerlied von 1850 wird der Tripper besungen: „Vergiss mein nicht, wenn‘s in der Hose stinket, und deinen Schwanz der Eiterstock zerstört; Vergiss mein nicht, wenn er vor Schmerzen sinket, und dich nach keinem Fick in Jahr und Tag begehrt.“

Und auch die namenlosen Autoren aus dem ländlich-alpinen Bereich stehen nicht nach: „Wo is denn der Mahda, der mei Wieserl maht, maht hin und maht her, schön langsam und stad“. Fantasiereich wurden gestern im Filmkulturzentrum Das Kino die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten von „Uhr“, „Amperl“, „Wieserl“ oder s‘ „Bixl“ (volkskulturelle Synonyme für Vulva) beziehungsweise „Klacherl“, „Wetzstoa“, „Schlegel“ oder den „Zapf‘n“ besungen und musikalisch-aufklärerisch abgehandelt. Manche dieser volksmusikantischen Sex-Lieder werden (angeblich) noch heute in (abgelegenen) Wirtshäusern gesungen.

Auf der Bühne gestern Abend in Salzburg: Johannes Steiner an der Diatonischen Harmonika, Geigerin und zweite Sängerin Gudrun Raber-Plaichinger sowie Sängerin und Schauspielerin Bina Blumencron. Das Trio hat den derben Witz und die musikalisch feine Klinge meist gut unter einen Hut gebracht. Zwar merkte man der „Volksmusiksex-Performance“ ihre Jungfräulichkeit in den Abläufen und in der Sicherheit noch an - immerhin, es war dies Premiere dieses Projektes. Aber es soll weitergearbeitet werden: „Es gibt in den Archiven noch soviel einschlägiges Material“, beteuerte Teresa Meikl, die sich selbst als Sängerin zum Trio dazumischen wird. „Uns geht es nicht um den Sexismus selbst“, so Meikl. „Wir wollen einen bestimmten Aspekt der Volksmusik pflegen und weiterentwickeln. Aber provozieren oder bloß Tabus brechen, das interessiert uns nicht.“


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