„You‘re Dead!“, aber das Beat-Labor von Flying Lotus lebt - Popnews

Wien (APA) - Aufgestellt, angespielt, umgerissen: Steven Ellison hat auf seiner neuen Platte wenig Zeit. Als Flying Lotus veröffentlicht der...

Wien (APA) - Aufgestellt, angespielt, umgerissen: Steven Ellison hat auf seiner neuen Platte wenig Zeit. Als Flying Lotus veröffentlicht der 31-jährige Tausendsassa dieser Tage „You‘re Dead!“, setzt sich damit neuerlich zwischen Genrestühle und erteilt üblichen Hörkonventionen eine Abfuhr. Die Songs gefallen sich mal als rasch gezeichnete Klangskizze, mal als entspanntes Beat-Versuchslabor.

Zu letzterer Gattung zählt etwa trotz seines Titels „Coronus, the Terminator“: Langsam schält sich ein Melodiebogen aus der zurückhaltenden Geräuschkulisse, wird Ambient mit R‘n‘B verheiratet und dürfen die Stimmen in den Vordergrund rücken. Aber nicht immer hält es Ellison so nachvollziehbar, wie etwa das von Jazzlegende Herbie Hancock veredelte „Tesla“ unter Beweis stellt. Schnell ein Basslauf hier, eine unruhige Hi-Hat dort, und der krude Jazzausflug ist schon zu Ende. Unterstützung erhält Flying Lotus auf seinem sehr fordernden, aber für den Hörer lohnenden fünften Album auch von Snoop Dogg, Kendrick Lamar oder Thundercat. Gemeinsam wird das Fundament konventionellen Hip-Hops und elektronischer Musik ordentlich umgegraben.

Vor vier Jahren landete Dan Snaith mit dem Song „Odessa“ einen veritablen Hit und arbeitete sich seitdem unter dem Namen Daphni am Techno ab. Nun kehrt der kanadische Elektronikmusiker mit seinem Hauptprojekt Caribou zurück. Für „Our Love“ drehte er die Schrauben weiter in Richtung Zugänglichkeit, behalf sich außerdem der Dienste von Pop-Violinist Owen Pallett und fabrizierte letztlich ein kurzweiliges, kunterbuntes Stück Tanzmusik, das den Geist der 80er ebenso atmet wie aktuelleren Trends Rechnung trägt. Am 18. Oktober ist Caribou live beim Electronic Beats-Festival im Wiener Museumsquartier zu Gast.

„Pe‘ahi“ (Beat Dies/Hoanzl) hat das düstere dänische Rockisten-Duo Raveonettes Album Nummer sieben getauft, benannt nach dem Surferparadies auf der Insel Maui. Den attackierenden, an Jesus and Mary Chain erinnernden Gitarrenriffs sieht sich die Band weiterhin verpflichtet, jedoch ist diesmal der musikalische Ansatz ein wenig anders als bei den Vorgängeralben. So überraschten die Dänen mit Streicherarrangements auf „Wake Me Up“ sowie sehr atmosphärischen Songs wie „When Night Is Almost Done“ - einer Vertonung eines Emily Dickinson-Gedichts. Überraschend war auch das Erscheinen des Albums selbst, da diesem weder eine vorherige Ankündigung noch eine Promotion voranging. Fix ist hingegen schon jetzt, dass die Raveonettes am 28. Oktober auf der Bühne des Wiener WUK stehen werden.

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Im Feld der jüngeren US-Hardcore-Bands, die in den vergangenen Jahren mit gelungenen Debüt- und Folgealben auf sich aufmerksam machten, waren Pianos Become The Teeth immer schon schwierig einzuordnen. Bewegte sich das Quintett bis dato vorwiegend zwischen melancholischem Indie und unangekündigt aufblitzender, metallischer Härte, scheint man sich nun für eine Richtung entschieden zu haben: Die ersten Höreindrücke des Ende des Monats erscheinenden dritten Albums „Keep You“ geben sich ebenso sanft wie hymnisch, wenn die präzise Gitarrenarbeit das Umfeld für Kyle Durfeys sehr persönliche Texte liefert. Schmerzverzerrte Schreie dürften ebenso wie brachiale Breakdowns der Vergangenheit angehören.

„Alaba - ‚How do you do‘“ fragen 5/8erl in Ehr‘n in Anspielung an die Sprachbegabung von Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) in ihrer neuen Single und machen die Antwort gleich zum Titel ihres am Freitag erscheinenden vierten Albums: Mit „Yes we does“ will die Wienerlied-Combo in schlechtem Englisch oder auch „zukunftsweisendem Globish“ das „Wir-Gefühl“ ihrer Landsleute sichern, sagt sie. Stolz kommt natürlich wenig auf, wenn mit Augenzwinkern von Akademikerball, Rassismus, Homophobie und Promi-Zirkus die Rede ist. „Wo is der Sinn, wenn du da tanzt? / Das was du glaubst is allerhand“, heißt es etwa in „Akademikerball“. Aber auch die Liebe („Blumenwiesenwort“) und die endende Jahreszeit („Der totale Sommerhit“) werden in der reduziert arrangierten, unverwechselbaren Kombination aus Wienerlied, Soul, Jazz und Pop besungen. Morgen, Mittwoch, und Donnerstag stellen die Fünf die Platte im Wiener brut vor; danach folgen Auftritte u.a. in Linz, Ebensee und Salzburg.


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