Deutscher Fernbusmarkt vor weiterer Bereinigung

Frankfurt am Main (APA/dpa) - Die im vergangenen Jahr gestarteten Fernbusse sind bei den deutschen Kunden gut angekommen. Doch trotz steil s...

Frankfurt am Main (APA/dpa) - Die im vergangenen Jahr gestarteten Fernbusse sind bei den deutschen Kunden gut angekommen. Doch trotz steil steigender Passagierzahlen können auf dem hart umkämpften deutschen Markt nicht alle Anbieter überleben. Experten glauben: Mittelfristig müssen die Preise angehoben werden.

Mit einer düsteren Prophezeiung hat sich city2city aus dem deutschen Fernbusmarkt verabschiedet. „Wir gehen davon aus, dass wir das erste, aber sicherlich nicht das letzte Unternehmen sind, das den Betrieb einstellen wird“, erklärte die Tochter des britischen Verkehrskonzerns National, die an diesem Sonntag ihre letzte Fernbus-Fahrt über deutsche Autobahnen startet.

Abschied statt Ausbau? Das will eigentlich gar nicht zur aktuellen Jubelstimmung passen, die am Mittwoch von den ersten offiziellen Fahrgastzahlen zu dem insgesamt boomenden Geschäft ausgelöst wurde.

Im ersten Jahr nach der Liberalisierung des Fernlinienbusverkehrs in Deutschland hat das Statistische Bundesamt 8,2 Millionen Kunden registriert. Auf reinen Inlandsverbindungen habe sich 2013 die Zahl der Passagiere auf 6,7 Millionen mehr als verdreifacht. Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer rechnet für 2014 unter anderem wegen des weiter ausgebauten Netzes und steigender Auslastung mit einer nochmaligen Verdoppelung der Kundenzahl.

Ein wesentlicher Grund für den Erfolg beim zahlenden Publikum dürften die im Vergleich zur Bahn deutlich niedrigeren Preise für die oft etwas langwierigeren Busfahrten sein. Im Schnitt zahlen die Buskunden bei fallender Tendenz zwischen 4 und 9 Cent pro Kilometer, hat die Verkehrsberatungsgesellschaft Iges aus Berlin analysiert. Bei der Deutschen Bahn liegen die Kilometerpreise einer anderen Studie des Fahrtenportals Fahrtenfuchs zufolge zwischen 13 und 25 Cent.

Vor allem junge Leute sind schnell auf die meist mit guten und kostenlosen Internetverbindungen ausgestatteten Reisebusse umgestiegen. Bei der Deutschen Bahn müssen sie noch für jeden Zugang ins Bordnetz zahlen - sofern dieses vorhanden ist und funktioniert.

Mit den niedrigen Busticket-Preisen könne niemand Geld verdienen, mutmaßte Bahnchef Rüdiger Grube, dessen eigene Busgesellschaften im Markt auf den dritten Rang zurückgefallen sind. City2city hatte seine jährlichen Verluste auf 2,5 Mio. Euro beziffert und mittelfristig keine vernünftige Erlösbasis gesehen.

Iges-Experte Christoph Gipp sieht derzeit ein „kritisches Preisniveau“, das unternehmerische Gewinne infrage stelle. Schließlich müsse sowohl für die Dachgesellschaften als auch für die beauftragten mittelständischen Busunternehmen etwas hängenbleiben. Die Firmen hätten hohe Investitionen in neue Fahrzeuge zu stemmen.

„Mittelfristig ist ein Anstieg des Preisniveaus zu erwarten“, sagt Gipp. Allerdings mit Grenzen nach oben, meint der Bus-Verband: „Die Preise für Fernbusse werden immer unterhalb der Kaufpreise der anderen Mobilitätsanbieter liegen, egal ob Auto, Flugzeug oder Bahn“, sagt Sprecher Matthias Schröter.

Langfristig werden drei oder vier nationale Anbieter auf dem deutschen Markt überleben, glaubt Gipp. Neben dem alten Platzhirsch Deutsche Bahn hat sich vor allem das Berliner Startup MeinFernbus nach vorn gefahren. Mit seinen grünen Bussen betreibt es inzwischen fast die Hälfte aller Verbindungen.

Nummer zwei am Markt ist Flixbus aus München. Immer wieder tauchen Medienberichte auf, dass das zuletzt eingestiegene Duo Post/ADAC die Lust am Busgeschäft bereits verloren habe und mit der Bahn über eine Fusion verhandle. Die Bahn wies das am Mittwoch als Spekulation zurück. Es gebe keine Gespräche, erklärte ein Bahnsprecher. Noch kleinere Anbieter müssen regionale Nischen finden oder die Kooperation mit einem der Großen suchen.


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