Proteste in Armenien gegen Beitritt zu Wirtschaftsunion mit Russland

Eriwan (APA/dpa) - In der Südkaukasus-Republik Armenien haben mehr als 10.000 Menschen gegen den Beitritt ihres Landes zu der von Russland d...

Eriwan (APA/dpa) - In der Südkaukasus-Republik Armenien haben mehr als 10.000 Menschen gegen den Beitritt ihres Landes zu der von Russland dominierten Eurasischen Wirtschaftsunion protestiert. Die Polizei in der Hauptstadt Eriwan sprach von 14.000 Demonstranten, die Regierungsgegner von mehr als 20.000.

In Sprechchören warfen sie Staatschef Serzh Sargsyan vor, den „Volkswillen“ zu ignorieren, wie die Agentur Interfax am Freitag meldete. Sargsyan hatte wenige Stunden zuvor bei einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin den Beitritt unterzeichnet. Zu der Organisation gehören auch Russland, Weißrussland und Kasachstan. Sie soll in ein politisches Bündnis münden.

Obwohl es keine Grenzen mit Russland hat, orientiert sich die frühere Sowjet-Republik Armenien an Moskau, denn die Beziehungen zu gleich zwei Nachbarstaaten sind äußerst angespannt: Mit Aserbaidschan ist der Konflikt um das mehrheitlich von Armeniern bewohnte Berg-Karabach ungelöst. Das Verhältnis zur Türkei, ein Verbündeter Aserbaidschans, ist zusätzlich wegen des historischen Konflikts um die Massaker an Hunderttausenden Armeniern noch zu Zeiten des Osmanischen Reiches während des Ersten Weltkriegs vergiftet.

In dieser Situation hat sich das Drei-Millionen-Einwohner-Land Armenien schon bisher vor allem sicherheitspolitisch-militärisch, aber auch was die Energieversorgung betrifft, stark an Russland angelehnt. Die Verhandlungen mit der EU über eine Assoziierung hat die Regierung in Eriwan abgebrochen.

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Beobachter sehen Armenien in der Frage der Außenorientierung zwischen Alt und Jung gespalten. Vor allem junge Menschen stehen demnach dem Regierungskurs kritisch gegenüber.

(Alternative Namensschreibweisen: Sersch/Serge Sarkissian/Sarksjan, Jerewan/Yerevan))


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