„Kirche darf niemanden ausschließen“

Die Bischöfe haben bei der Synode noch keine definitive Entscheidung über den Umgang mit Geschiedenen und Homosexuellen getroffen.

Rom –Die katholische Kirche habe bei der Familiensynode „einen großen Schritt nach vorne gemacht“, sagte der deutsche Kardinal Walter Kasper am Samstag. Dennoch erwartet sich der Papst-Vertraute keine definitiven Entscheidungen über den Umgang mit Homosexuellen oder wiederverheirateten Geschiedenen. Für die rund 200 Bischöfe, die zwei Wochen lang über aktuelle Kirchenthemen diskutiert hatten, ist aber klar: Die Kirche darf niemanden ausschließen. Das geht aus der am Samstag veröffentlichten Botschaft der Familiensynode an die Gläubigen in aller Welt hervor. Diese Botschaft ist aber nicht zu verwechseln mit dem offiziellen Abschlussdokument.

„Christus hat gewollt, dass seine Kirche ein Haus ist, das immer eine offene Tür hat, (...) ohne jemanden auszuschließen“, heißt es in dem Papier. Diese Botschaft geht nur auf die Herausforderungen und Krisen im Familienleben ein, thematisiert aber keine klare Position zu Homosexuellen oder Geschiedenen. Dabei galten diese Themen als Knackpunkt der Synode. Aus mehreren Zwischenberichten ging bislang hervor, dass sich mehrere Bischöfe noch ausdrücklich gegen die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten ausgesprochen haben.

Der deutsche Kardinal Reinhard Marx erwartet wichtige Impulse für die weitere Debatte, er spüre aber auch eine „gewisse Spannung“.

„Ich habe den Eindruck, dass wir Synodenväter eine gute Mehrheit erreichen mit einem offenen, aber nicht endgültigen Text“, sagte Kardinal Kasper im Interview mit dem Corriere della Sera. Definitive Antworten seien nicht die Aufgabe der Synode gewesen. Es bleibe noch ein Jahr Zeit, sagte Kasper mit Blick auf das nächste Treffen 2015. „Man kann nicht alles in Eile machen.“ Wichtige Fragen und Probleme seien diskutiert worden, es wäre aber nicht verantwortungsvoll, innerhalb von zwei Wochen Entscheidungen zu treffen. „Das Wichtige ist eine gewisse Offenheit den Problemen gegenüber“, sagte Kasper. Das Thema Homosexualität will er nicht zu sehr in den Mittelpunkt stellen: „Man darf nicht diskriminieren, wir dürfen nicht verurteilen, man muss Respekt haben. Aber man muss auch nicht gleichstellen“, sagte er.

Als Vorbereitung auf die Synode war erstmals auch die Meinung der einfachen Kirchenmitglieder abgefragt worden. Die Synode geht heute mit der Seligsprechung von Papst Paul VI. durch Papst Franziskus am Petersplatz in Rom zu Ende. (TT, APA, dpa)


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