In einer anderen Welt
Mit elf Jahren hat er zu klettern begonnen. Jetzt, mit 30, kann Guido Unterwurzacher daher schon von vielen abenteuerlichen Kletterreisen erzählen – u. a. bei der Alpinmesse.
Von Irene Rapp
Innsbruck –Guido Unterwurzacher erwischt man derzeit nur am Telefon. Wenn überhaupt. Er ist auf Urlaub in Spanien, zum Klettern natürlich. Mit seiner Freundin, solange es noch geht. Denn der 30-Jährige und seine Lebensgefährtin werden im Frühjahr Eltern, „mein großes Lebensprojekt. Ich hoffe, dass ich ein guter Vater werde“, erzählt Unterwurzacher.
Vor 19 Jahren, da war er selbst noch Kind, fing er zu klettern an. Der Onkel nahm ihn mit in den Kaiser, „ich fühlte mich gleich wie ein Fisch im Wasser“. Seitdem hat der Fels nichts an Faszination für Unterwurzacher verloren: Er ist zum Klettern weltweit unterwegs, in den unterschiedlichsten Spielarten – von Sport- über Alpin- und Bigwallklettern bis zum Bergsteigen und Eisklettern – sowie den höchsten Schwierigkeitsgraden. „Sportklettern bis 8c plus, Alpinsportklettern bis 8b plus.“
Wobei heute die Erlebnisse zählen, nicht mehr die Ergebnisse so wie früher, als er noch an Wettkampf-Kletterbewerben teilgenommen hat. „Das Festhalten, das Hinsteigen – beim Klettern kann ich wunderbar den Kopf ausschalten, mich aus der Realität ausklinken, komme in einen meditativen Zustand“, schwärmt der 30-Jährige.
Wie in einem Traum habe er sich auch 2012 in Patagonien gefühlt: In diesem Strich Land, wo das wechselhafte Wetter schon vielen Alpinisten das Leben schwer gemacht hat, schaffen es Unterwurzacher und sein Kletterpartner Max Berger, die Cerro-Torre-Westwand in sieben Stunden (vom Col of Hope) zu durchsteigen. „Bis 2011 zählte die Westwand seit der Erstbegehung im Jahr 1974 nur 13 Begehungen“, schreibt der Goinger damals in seinem Blog. Ein Erlebnis, das Unterwurzacher gern mit der Öffentlichkeit, der Szene, teilt, auch wenn er nicht alles veröffentlicht, was er so in den Bergen macht.
Mit elf Jahren lernte Unterwurzacher auch Alexander Huber kennen, einen der bayerischen Huaberbuam, die durch ihre spektakulären Kletterabenteuer für Aufsehen gesorgt haben. Von ihm hat er damals, als Kind, viel gelernt. Mit ihm machte er später viele Erstbegehungen.
Das neue Buch von Huber über die Angst wird Unterwurzacher daher wohl schon gelesen haben. Zum einen, weil er selbst die Momente kennt, wenn man in der Wand hängt und einen dieses Gefühl überfällt. „Aber das muss man ausblenden. Ich weiß, dass ich mich zu 100 Prozent auf mich verlassen kann. Aber natürlich gibt es immer ein Restrisiko.“ In seinen Kletter-Anfangsjahren war die Angst noch nicht so gut beherrschbar. Mit 13 Jahren „schlug mein Onkel beim Klettern neben mir ein und verletzte sich schwer. Damals machte ich zwei Jahre Pause.“
Als er dann mit dem Klettern wieder anfing, stürzte neben ihm ein Kletterer ab und verunglückte tödlich. Auch danach legte Unterwurzacher wieder eine Pause ein. Doch: „Das alpine Klettern hat mich nicht losgelassen.“ Die zwei Ereignisse hat er immer im Kopf, sind wie ein ständiges Warnsignal, „dass man den Respekt nie verlieren darf und Routine das Gefährlichste ist“.
Dass man in den Bergen Angst haben kann, kennt der Goinger auch von seinen Gästen. Unterwurzacher ist nämlich nicht nur als Profi-Alpinist aktiv, sondern in seiner Eigenschaft als Berg- und Skiführer (Alpinschule RocknRoll) auch mit seinen Kunden am Berg. Unternehmungen, die er genießt.
„Weil man sonst oft sehr stressig und schwierig unterwegs ist. Und weil es mir gefällt, den Leuten Sicherheit zu vermitteln und das Gefühl, dass sie es schaffen.“ Bei der Alpinmesse in Innsbruck wird Unterwurzacher mehr über seine Abenteuer erzählen – der Titel seines Vortrags „Vom Kaiser in die Welt“.
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