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Bebilderte Erinnerung: 6. Ausgabe von „Eyes On“ in Wien

Wien (APA) - Zum sechsten Mal lädt das größte europäische Fotofestival „Eyes On“ im November zum „Monat der Fotografie“ in Wien in Galerien,...

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Wien (APA) - Zum sechsten Mal lädt das größte europäische Fotofestival „Eyes On“ im November zum „Monat der Fotografie“ in Wien in Galerien, Museen, Bibliotheken und den öffentlichen Raum. Biennal veranstaltet, gibt es heuer mehr als 650 Künstler in 175 Ausstellungen zu sehen. Den Auftakt macht die von acht Partnerstädten gestaltete Schau „Memory Lab“ im MUSA, die das Festival heute, Montag, Abend eröffnet.

Aus mehr als 300 für „Eyes On“ eingereichten Projekten hat eine Jury 175 ausgewählt, die nun an so unterschiedlichen Orten wie Albertina über KunstHaus Wien bis hin zu zahlreichen Galerien und der Brotfabrik zu sehen sind - angesichts von 175 Jahren Fotografie „ein schöner Zufall, der sich ergeben hat“, so Festivaldirektor Thomas Licek am Montag bei einer Pressekonferenz. Einem übergreifenden Thema habe man sich zwar auch heuer nicht verschrieben. Unter den Themen, die Fotografen heute bewegten, habe sich aber jenes der Erinnerung herauskristallisiert - „teilweise an politische Ereignisse, aber auch an persönliche Geschichten“, so Licek.

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Exemplarisch dafür nahmen die Partnerstädte Wien, Berlin, Bratislava, Budapest, Ljubljana, Luxemburg, Paris und Neuzugang Athen für die Gemeinschaftsausstellung mit dem Untertitel „Photography Challenges History“ das Gedenkjahr 2014 zum Anlass, sich mit der intensiven Geschichte des 20. Jahrhunderts und deren Nachwirkungen zu beschäftigen - von zwei Weltkriegen über den Zerfall in Ost und West bis hin zum Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien. 43 Positionen sind im umfangreichen Katalog versammelt, 13 davon als Auswahl ab morgen, Dienstag, im MUSA zu sehen. Auffallend sei dabei, dass bei den Bildern zunehmend Abstand von der rein dokumentarischen Form genommen wird, so Kuratorin Gunda Achleitner. „Stattdessen lassen sie einen affektiv aufgeladenen Blick zu, der den Betrachter vor allem auf der Gefühlsebene abholt und das Sentiment nicht scheut.“

Oft wählen die Künstler dabei den Weg über ihre eigene Geschichte. Für die Slowenin Marija Mojca Pungercar und den Ungar Marcell Esterhazy dienten etwa Fotos aus dem Familienarchiv als Ausgangspunkt, denen sie aktuelle Aufnahmen gegenüberstellen. Im krassen Gegensatz dazu stehen auf der gegenüberliegenden, zentralen Wand die düster inszenierten, irritierenden Bilder des Niederländers Erwin Olaf, der an sieben historisch aufgeladenen Orten Berlins die 20er und 30 Jahre zwischen der Blütezeit der Weimarer Kultur und dem Fortschreiten des NS-Gedankenguts spürbar macht.

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Vergangenheit und Gegenwart kombiniert auch die Wiener Fotografin Tanja Boukal, indem sie Alltagsmomente Adolf Hitlers, aufgenommen in schwarz-weiß von dessen Leibfotografen Heinrich Hoffmann, in ihre eigenen Fotos von Touristen im ehemaligen „Führersperrgebiet“ in Obersalzberg montiert. „So wie sich Hitler nun unter die Touristen mischt“, so Achleitner, sei auch seine damalige Politik zu verstehen. Als Trägermaterial dienen Schiefersteinplatten, die Boukal vor Ort ausgrub. Mit Obersalzberg beschäftigt sich auch der Berliner Andreas Mühe, der für seine „Haltungsstudie“ Re-Enactments von Hitlers Gefolgsmännern vornahm.

Auch abseits des MUSA spiegeln sich Jahrestage schwerwiegender Ereignisse in Ausstellungen wider. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs beschäftigt sich etwa die Künstlerin Christa Biedermann in ihrer Schau in der Bezirksvorstehung Mariahilf; mit dem Fall der Berliner Mauer die Fotografin Nadine Krier im Studio Im Rahmen. Einen zeitgeschichtlichen Aspekt nimmt auch die Galerie Chobot mit einer Ausstellung zum 90. Geburtstag der österreichischen Fotografin Elfriede Mejchar. Das Erinnern hat auch im in der Wienbibliothek gezeigten Work-in-Progress „vienna windows - auslage in arbeit“ einen großen Stellenwert, dokumentieren Hanna Schimek und Martin Frey doch Auslagen von Geschäften, „die wegen Gentrifizierung, steigenden Mieten und Stadtpolitik zu verschwinden drohen“, so Schimek.

Der 2004 ins Leben gerufene „Monat der Fotografie“ findet im Zweijahrestakt im November statt und zählt mittlerweile zu den größten Fotografieveranstaltungen in Europa. Im Jahr 2012 wurden in Wien bei rund 230 Veranstaltungen rund 385.000 Besucher gezählt. Das Projekt wird zur Gänze durch Förderungen der Stadt Wien finanziert.

(S E R V I C E - Eyes On - Monat der Fotografie Wien 2014, 28. Oktober bis 30. November. „Memory Lab. Photography Challenges History“ von 28. Oktober bis 21. März 2015 im MUSA Museum Startgalerie Artothek, Felderstraße 6-8, 1010 Wien. Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr 11 bis 18 Uhr, Do 11 bis 20 Uhr, Sa 11 bis 16 Uhr. Freier Eintritt. Eröffnung heute, Montag, 19 Uhr. www.musa.at, www.eyes-on.at, www.europeanmonthofphotography.com)


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