Entgeltliche Einschaltung

Der Staat nascht am Metaller-Lohnplus mit

Mit 2,1 Prozent erhalten die Metaller ein Gehaltsplus, das über der Infaltionsrate liegt. Davon profitiert aber in erster Linie der Staat.

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(Symbolfoto)
© Bilderbox/Wodicka

Wien – Die Sozialpartner in der Metallindustrie haben sich in der Nacht auf Mittwoch auf ein Lohnplus von 2,1 Prozent einigt. Bei einer Inflation von 1,7 Prozent in Österreich ist das ein Reallohnplus von 0,4 Prozentpunkten. Am Mittwoch wurde von Expertenseite aber darauf hingewiesen, dass vor allem der Staat profitiert. Lohnerhöhungen bedeuten wegen der kalten Progression auch höhere Steuereinnahmen.

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Wie viel den 120.000 Beschäftigten in der Maschinen- und Metallwarenindustrie netto bleibt, hängt vom jeweiligen Verdienst ab. Der Ökonom Marcus Scheiblecker vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) geht davon aus, dass von der Lohnerhöhung durch die Wirkung der Steuerprogression für die Arbeitnehmer real nicht viel übrig bleiben wird. „Viel Kaufkraft wird es nicht bringen, allerdings wird es dem Budget was bringen“, sagte Scheiblecker im ORF-“Mittagsjournal“.

Sozialminister spricht von „Gewinn für die Menschen“

Von der Politik kam am Mittwoch Lob für den Kompromiss der Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter. Für Arbeits- und Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) ist ein Abschluss über der österreichischen Inflationsrate ein „Gewinn für die Menschen“. „Mit den 2,1 Prozent hat man einen effektiven Reallohngewinn“, sagte Hundstorfer. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) meint, „dass es ein vernünftiger Kompromiss ist, der den betroffenen Unternehmen Planungssicherheit in schwierigen Zeiten ermöglicht.“

Die Metallerlohnrunde, deren Ergebnis als Richtschnur für andere Kollektivvertragsverhandlungen gilt, werde in anderen Branchen zwar nur verwässert ankommen, schätzt Wirtschaftsexperte Scheiblecker, aber „versuchen wird man in allen anderen Branchen auch, über der Inflationsrate abzuschließen“. Für die Wifo-Ökonomin Christine Mayrhuber ist die Argumentation der Arbeitgeberseite, nicht die Preisentwicklung in Österreich, sondern jene in Europa zu berücksichtigen, „nicht aufgegangen“. „Wenn man schon mit Europa argumentiert, dann müsste man auch die Perspektive einnehmen, dass gerade Deutschland, aber auch Österreich quasi auf Kosten der anderen Länder die Exporte getätigt haben“, so Mayrhuber. In Deutschland werde umgekehrt argumentiert, dass die Lohnentwicklung der Vergangenheit dazu geführt habe, dass die südlichen Länder keine Möglichkeit gehabt hätten aufzuholen.

Auch Mindestlohn und Lehrlingsentschädigung steigen

Mit dem neuen Kollektivvertrag (KV), der ab November für ein Jahr gilt, steigen auch Mindestlohn und Lehrlingsentschädigung um 2,1 Prozent. Bei den Zulagen wird mit 1,7 Prozent nur die Inflation abgegolten. Gewerkschafter Rainer Wimmer sprach nach der Einigung vor Journalisten von „harten Verhandlungen“. Für den Obmann der Wirtschaftskammer-Fachverbands, Christian Knill, ist der Abschluss gerade noch vertretbar, wie er nach dem nächtlichen Verhandlungsfinale sagte. Für den Fall, dass auch die vierte Lohnrunde gescheitert wäre, hätten die Gewerkschaften erneut Betriebsversammlungen abgehalten. Auch Streiks standen im Raum.

Wie schon die beiden Jahre zuvor werden die sechs Metallindustrie-Fachverbände getrennt verhandelt, der Fachverband Maschinen- und Metallwarenindustrie (FMMI) ist dabei mit 120.000 von insgesamt 180.000 Beschäftigen am größten. Für die Gewerkschaften sind die getrennten Verhandlungen ein Ärgernis. Sie wollen sich nicht auseinanderdividieren lassen und streben auch heuer wieder idente Abschlüsse in allen sechs Verbänden an. Im Vorjahr hatten sich die Verhandler übrigens auf einen Lohnzuwachs von im Schnitt 2,8 Prozent geeinigt - bei einer Inflationsrate von damals 2,4 Prozent. Dafür brauchten sie fünf Verhandlungsrunden, um eine mehr als heuer. (APA)


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