Gitterstäbe statt Galadinner für Hannes Kartnig

Der Ex-Fußball-Präsident ging auch im elektronischen Hausarrest in die Oper und ins Restaurant. Damit hat er gegen Auflagen verstoßen.

Ex-Sturm-Graz-Präsident Hannes Kartnig.
© APA/HANS KLAUS TECHT

Von Cornelia Ritzer

Wien, Graz – Seit gestern, 15.15 Uhr, ist Österreichs ehemals prominentester Fußfessel-Träger ein normaler Häftling. Die Vollzugsdirektion hat die Entscheidung, dass Hannes Kartnig seine Strafe im elektronischen Hausarrest verbüßen kann, widerrufen. „Kartnig bleibt damit in der Justizanstalt Graz-Jakomini“, berichtet Erich Huber-Günsthofer von der Medienstelle der Direktion. Die Gründe für die Entscheidung: „Er hat gegen Auflagen, die ihm erteilt wurden, verstoßen.“ Welche Auflagen damit genau gemeint sind, wird aus Datenschutzgründen nicht gesagt.

Dass der Ex-Sturm-Graz-Präsident am Montag seinen 63. Geburtstag im Restaurant eines Wiener Luxushotels gefeiert haben soll – der Kurier hatte berichtet –, hat die Überprüfung von Kartnig ausgelöst. Vollzugsdirektor Peter Prechtl hatte mit dem Leiter der Grazer Justizanstalt, wo ihm den Ausgang genehmigt wurde, gestern ein Gespräch geführt. Der Widerruf der Fußfessel war das Ergebnis.

Schon in der Vorwoche sorgte ein Besuch Kartnigs in der Grazer Oper für Aufregung, der prominente Ex-Sportfunktionär sah sich mit seiner Frau die „Tosca“-Premiere an. Obwohl der Ausgang von der Justizanstalt Graz-Jakomini genehmigt worden war, wurde der Steirer zum Rapport ins Gefängnis bestellt. Rechtlich mag alles in Ordnung gewesen sein, die Optik war nicht gut, meinte der Ex-Sturm-Graz-Präsident nach der Belehrung selbst. Beim zweiten Mal gab es offenbar kein Pardon. Obwohl er auch dieses Mal offiziell um Ausgang angesucht haben soll und diesen genehmigt bekam.

Hannes Kartnig war im April zu einer unbedingten Haftstrafe für 15 Monate und zur Zahlung von 5,5 Millionen Euro verurteilt worden. Der frühere Fußball-Präsident hat Steuern hinterzogen und soll Drahtzieher bei Schwarz­einnahmen und -zahlungen gewesen sein. Am 15. September trat er seine Strafe an, suchte um eine Fußfessel an und bekam diese auch genehmigt. Die Auflagen: Kartnig darf tagsüber arbeiten gehen, aber abends und nachts sein Haus in Graz nicht verlassen.

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Momentan tragen in Österreich 276 Strafträter eine Fußfessel. Auch Hannes Kartnig darf wieder um den elektronischen Hausarrest ansuchen. „Ihm wird nun der Bescheid zugestellt, dann kann er Rechtsmittel einlegen“, erklärt dazu Huber-Günsthofer. Wie lange das dauern wird, ist ungewiss.


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