Entgeltliche Einschaltung

Fahrzeuge unter der Glocke

Großer Andrang herrschte gestern bei der Versteigerung von Landes-Fahrzeugen in Innsbruck. Zackig wechselte ein Auto nach dem anderen den Besitzer, der Großteil der Bieter sind alte Bekannte.

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© Denise Daum

Von Denise Daum

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Innsbruck –„So, dann bräuchte ich bitte einmal Ihren Ausweis und eine Anzahlung von 500 Euro“, sagt der freundliche Herr an der Kasse. Die dicke Brieftasche mussten gestern alle Mitbieter bei der Versteigerung von Fahrzeugen des Landes Tirol im Innsbrucker Gasthof Sandwirt dabei haben. Denn für eine Bieterkarte ist eine Kaution von fünf grünen Scheinen (oder einem Violetten, wer so einen besitzt) zu hinterlegen. Anstandslos greifen die kauflustigen Herren – zumindest wurde keine Dame mit Bieterkarte gesichtet – in die Gesäßtasche und blättern das Geld auf den Tisch. Mit ihrer gelben Karte in der Hand bahnen sie sich ihren Weg durch den gut gefüllten Saal hin zu einem freien Stuhl. Viele Auktionsbesucher scheinen alte Bekannte zu sein. Man begrüßt sich mit Schulterklopfern und einem lässigen „Serwas“.

Rund 60 Fahrzeuge, von Schneepflug und Zugmaschen über Pritschen- und Kastenwagen bis hin zu Pkws, stehen im Angebot. Zusätzlich gibt’s noch 30 weitere Positionen wie eine Radauswuchtmaschine oder ein Vibrationsstampfer. Diese Gerätschaften dürften wohl mit ein Grund für den Männer­überschuss sein.

„Ich habe kein bestimmtes Fahrzeug im Auge. Ich schau’s mir mal an“, sagt ein Autohändler aus Kufstein. „Das Problem ist, dass der Preis oft so weit raufgeboten wird“, erklärt er, ganz der Profi. Und dann werde das Ganze recht uninteressant.

Um Punkt 13 Uhr betritt Auktionsleiter Manfred Humer vom Dorotheum die Bühne und nimmt Platz. Aber Humer kommt ohne Hammer. Dafür hat er eine Glocke. Wenn diese nach den Worten „Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten“ ertönt, wurde der Zuschlag erteilt, erklärt Humer, bevor’s losgeht. Außerdem weist er darauf hin, dass zum Höchstgebot noch 22 Prozent Käufergebühr hinzukommen. Die ersteigerten Fahrzeuge können nach Begleichen der Rechnung – hier gilt: nur Bares ist Wahres – am Bauhof in Innsbruck sofort abgeholt werden.

Als Erstes ist eine Zugmaschine dran. Das Objekt wird auf die Leinwand gebeamt. Der Rufpreis liegt bei 2000 Euro. Klingt nach Schnäppchen. „Für diese Position gibt es bereits schriftliche Angebote“, sagt Humer. Und damit sind wir, noch bevor jemand aus dem Saal den Preis nach oben treiben konnte, bei sage und schreibe 20.000 Euro. Der Autohändler aus Kufstein raunt: „Ich hab’s ja gesagt.“ Die Zugmaschine, laut Infobroschüre übrigens „stark gebraucht, beschädigt, gründlich überholungs- und reparaturbedürftig“, wechselt schließlich um 21.000 Euro den Besitzer. Rasant geht es weiter. Im Minutentakt erklingt mit einem hellen Bling die Glocke.

Einmal pro Jahr kommen ausrangierte Landes-Fahrzeuge unter den Hammer oder eben unter die Glocke. „Nicht alle sind ganz intakt. Manche haben Schäden oder einfach altersbedingt ausgedient“, erklärt Auktionsleiter Humer. Die meisten Bieter seien Stammkunden. Die Fahrzeuge des Landes Tirol würden deshalb über Auktionen weiterverkauft, da dies ein „öffentliches und transparentes Verfahren ist. Außerdem wird so der beste Preis erzielt. Die Bieter repräsentieren sozusagen den Markt“, weiß Humer.

Nächsten Freitag sind übrigens Fahrzeuge von Tiwag, Innsbrucker Kommunalbetrieben und Polizei an der Reihe. Und das Spiel beginnt von vorne.


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