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Katastrophe mit Ansage: Arme Tee-Arbeiter lebten in Erdrutsch-Zone

Colombo (APA/dpa) - Über Kilometer ist der Boden nach dem Erdrutsch aufgebrochen, wie eine riesige Narbe in den sonst grünen Hügeln im Süden...

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Colombo (APA/dpa) - Über Kilometer ist der Boden nach dem Erdrutsch aufgebrochen, wie eine riesige Narbe in den sonst grünen Hügeln im Süden Sri Lankas. Zwischen der rot-braunen Erde und Steinbrocken ragen Wellblechdächer hervor, auch Bretter und Kanister sind zu sehen. Gerade noch lebten in der Siedlung zwischen Teeplantagen 330 Menschen - dann brach die ganze Flanke eines Hügels ab. Und schob sich über die Hütten.

„Ich hörte ein Geräusch, als würde ein Flugzeug in geringer Höhe fliegen“, sagt die 57-jährige Parameshwary Sinniah. „Sofort stürzte ich aus dem Haus und sah Steinbrocken und Schlamm herunterströmen.“ Sie kam gerade davon - doch drei andere in ihrem Haus schafften es nicht. Sie wurden unter mehreren Metern Erdreich begraben. Die Katastrophenbehörde Sri Lankas befürchtete am Donnerstag, dem Tag nach der Katastrophe, mehr als 200 Tote.

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Sinniah wusste wie ihre Nachbarn von der drohenden Gefahr von Hangabrutschen, vor allem während der jährlichen Monsun-Regenfälle. Seit mehr als zehn Jahren warnen verschiedene Regierungsstellen davor - zuletzt nur knapp 24 Stunden vor dem Desaster. Doch alle Aufforderungen an die Plantagenarbeiter, ihre einfachen Räume in langgestreckten Hütten zu verlassen, verhallten ungehört. „Wir können es uns nicht leisten, in ein anderes Haus zu ziehen“, sagt etwa der Teearbeiter M. Krishnaswaym.

Das sehen die Behörden anders. „Wir haben ihnen alternatives Land zur Verfügung gestellt, aber die meisten wollten einfach nicht wegziehen“, sagt Rohana Dissanayaka, Verwaltungschef des betroffenen Distrikts Badulla. Kein Wunder, hält der Parlamentsabgeordnete K. Velayutham dagegen, der Badulla vertritt. Das angebotene Land sei zu weit von den Tee-Hügeln entfernt gewesen - damit hätten die Menschen ihren Job verloren. „Den Arbeitern wurde einfach keine praktische Lösung angeboten.“

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Es ist nicht das erste Mal, dass die Plantagenbesitzer in der Kritik stehen. Menschenrechtsaktivisten beschuldigen sie, die Teearbeiter quasi zu isolieren, sie oft in einfachen Lehm- und Blechhütten wohnen zu lassen und kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung zu stellen. Viele Arbeiter verdienen nur etwas mehr als zwei Euro am Tag.

Dabei gehören die Einkünfte durch die Teeplantagen, nach den Überweisungen von Exil-Sri-Lankern und Textilexporten, zu den wichtigsten Deviseneinnahmen des Landes. Tee aus Ceylon - so hieß die Insel im Indischen Ozean früher - wird weltweit geschätzt. „Es ist jetzt an der Zeit, dass die Regierung sich um das Wohlbefinden der Arbeiter kümmert, die von den Besitzern so schlecht behandelt werden“, sagt K. Marimuttu, Vizepräsident der Gewerkschaft Ceylon Workers‘ Congress.

Einer der Leidtragenden ist der Teearbeiter Sinniah Yogalarajan. Er ist in einem der beiden Flüchtlingslager untergekommen, in denen ungefähr 1.000 Menschen Schutz gesucht haben. Seine Familie ist nicht bei ihm. „Ich hatte unser Zuhause um 6.30 Uhr verlassen, da ich als Lastwagenfahrer arbeite. Eine Stunde später sagte mir jemand, dass meine Frau und zwei Kinder unter dem Schlamm sind. Es gibt keine Hoffnung mehr, sie noch zu finden.“


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