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Stichwort: Der Tempelberg in Jerusalem

Jerusalem (APA) - Der Tempelberg ist ein Hügel mitten in der Altstadt von Jerusalem. Hier stand einst der Jerusalemer Tempel, das Zentralhei...

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Jerusalem (APA) - Der Tempelberg ist ein Hügel mitten in der Altstadt von Jerusalem. Hier stand einst der Jerusalemer Tempel, das Zentralheiligtum des Judentums, das im Jahr 70 n. Chr. durch römische Truppen zerstört wurde. Heute erheben sich auf dem Plateau die muslimischen Gebetsstätten Felsendom und Al-Aksa-Moschee. Dies führt immer wieder zu manchmal blutigen Konflikten.

Im Islam wird der Gebäudekomplex „Al-Haram al-Sharif“ (Edles Heiligtum) bezeichnet und gilt als drittheiligste Stätte nach Mekka und Medina. Nach einer Stelle in der 17. Sure des Koran soll der Prophet Mohammed in einem Traum zum „fernsten Heiligtum“ geflogen sein - dieser wird gemeinhin als Tempel von Jerusalem interpretiert. Der Felsendom, der älteste bestehende Sakralbau des Islam, wurde Ende des 7. Jahrhunderts an dieser Stelle errichtet. An die Tradition der nächtlichen Reise (al-Isra) spielt auch der Name der im 8. Jahrhundert errichteten Al-Aksa-Moschee („fernste Moschee“) an.

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Im Zentrum des Felsendoms steht ein Fels, das schon in der jüdischen Tradition den „Mittelpunkt der Welt“ bildet. An dieser Stelle soll Abraham, Stammvater des Volkes Israel, seinen Sohn Isaak fast geopfert haben. Im Islam, in dessen Version nicht Isaak, sondern Abrahams älterer (unehelicher) Sohn Ismael geopfert werden soll, ist diese Verknüpfung des Steins mit der Opfergeschichte nicht bekannt.

Konfliktträchtiger ist indes ein anderer Aspekt: Wohl an der Stelle des Felsendoms stand einst das Allerheiligste des jüdischen Tempels, jenes innere Heiligtum, den selbst der Hohepriester nur an einem Tag im Jahr - dem Versöhnungsfest (Jom Kippur) - betreten durfte. Hier war nach jüdischem Glauben sogar Gott selbst gegenwärtig. Das ist auch der Grund, warum das israelische Oberrabbinat Juden die Betretung des Tempelberg-Plateaus „wegen der Heiligkeit des Ortes“ überhaupt verbietet: Sie könnten dort an Stellen geraten, die zur Zeit des Tempels nur den Priestern vorbehalten waren.

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Radikale jüdische Aktivisten und Politiker unternehmen allerdings immer wieder Versuche, den Tempelberg zu betreten und dort Gebete zu verrichten. Offenes Ziel dieser Gruppen ist die Wiedererrichtung des Jerusalemer Tempels - was natürlich die Zerstörung der islamischen Gebetsstätten erforderlich machen würde. Deshalb werden Besuche jüdischer Aktivisten auf dem Tempelberg von Muslimen als Provokation gewertet - oftmals mit blutigen Konsequenzen.


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