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Pointner und der Grenzgang zwischen Erfolg und Depression

Am 3. November erscheint Alexander Pointners Buch „Mut zum Absprung. So entstehen Höhenflüge“. Bei uns können Sie schon jetzt reinlesen.

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Gemeinschaftsprojekt – vier Monate lang arbeiteten Angela und Alexander Pointner die bewegte Vergangenheit in Buchform auf.
© Andreas Rottensteiner / TT

Ich spürte, dass ich an der Kippe stand. Das Gefühl, womöglich nicht mehr arbeitsfähig zu sein, machte mir unglaublich Angst. (...) Ein Trainerposten ist ja sowieso kein sicherer Hafen für die Ewigkeit. (...) Zudem begann für mich jede Saison bei null. Die Erfolge des Vorjahres zählten nicht mehr, galten aber dennoch als Gradmesser für die kommenden Wettkämpfe. Mir war klar, wir würden unser Niveau nicht ewig auf diesem hohen Level halten können, Leistungsschwankungen würden sich nicht verhindern lassen. Für die Medien schienen ohnehin Misserfolge und Niederlagen fast interessanter als die ständigen Erfolgsmeldungen.

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Mit der ÖSV-Spitze gab es zu dieser Zeit nie ein offenes Gespräch. Ich ahnte, dass mein Zustand bekannt war, hatte aber gleichzeitig extreme Angst davor. Mein enger Kontakt mit dem Präsidenten bestand nicht mehr. Mit ein Grund war die Neustrukturierung des ÖSV, wodurch Hans Pum als Ansprechpartner fungierte. Über Dritte wurden immer öfter Zweifel an meiner Leis­tungsfähigkeit an mich herangetragen. (...) Ich wusste nicht, ob meine Erkrankung nun als Mittel zum Zweck dienen sollte. Schließlich wollte man mich von bestimmter Seite ja schon 2010 als Trainer absetzen.

Ich empfand dieses Vorgehen als außerordentlich verletzend. (...) Bei einem hart erkämpften Treffen mit der ÖSV-Spitze vor den Olympischen Spielen in Sotschi tat ich ehrlich kund, wie sehr ich mich hintergangen fühlte. Manager und Athleten hatten den direkten Weg zur Führung gesucht, mich bewusst umgangen. Wenn man in so viele Dinge, die einen direkt betreffen, nicht involviert wird, dann bewirkt das eine enorme Unsicherheit. Und die Depression bringt ja ohnehin schon so viel Unsicherheiten mit sich! Ich war in dem Glauben, für den ÖSV nicht mehr gut genug zu sein, nur weil niemand offen mit mir gesprochen hatte.

Im Grunde war die einzige Rückmeldung von „oben“ jene Saisonanalyse gewesen, in der mich Hans Pum vor dem versammelten Betreuerstab mit Vorwürfen überhäuft hatte. Wieder ohne vorher mit mir ein Wort gesprochen zu haben. Ich war bei meinem eigenen Bericht ehrlich und selbstkritisch gewesen, hatte auch Einbußen aufgrund meiner Erkrankung angesprochen. In der Pause wurde ich sofort ermahnt, „das“ nicht zu oft zu erwähnen. Die Depression ist noch immer ein Tabuthema, das man am besten mit sich selbst ausmacht.

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Alexander Pointner/Angela Pointner: Mut zum Absprung. So entstehen Höhenflüge, 280 Seiten, illustriert, € 24,95. Seifert Verlag. Ab 3. November im Handel.


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