Entgeltliche Einschaltung

Linzer „Ring“-Zyklus: „Siegfried“ nicht unumstritten

Linz (APA) - Jubel für die Sänger, das Orchester und den Dirigenten, aber unüberhörbare Ablehnung der Inszenierung hat am Allerheiligentag i...

  • Artikel
  • Diskussion

Linz (APA) - Jubel für die Sänger, das Orchester und den Dirigenten, aber unüberhörbare Ablehnung der Inszenierung hat am Allerheiligentag im Linzer Musiktheater die Premiere von Richard Wagners Oper „Siegfried“ beendet. Nach „Rheingold“ und „Die Walküre“ in der vergangenen Saison wurde das Großprojekt der „Ring des Nibelungen“-Tetralogie fortgesetzt. Im kommenden Frühjahr folgt noch die „Götterdämmerung“.

Die musikalische Seite war uneingeschränkt das Plus des langen Abends. Grundgelegt wurde sie vom Bruckner Orchester Linz unter seinem Chefdirigenten Dennis Russell Davies. Dirigent und Instrumentalisten dürfen sich den Abend als weiteren „Edelstein“ ihrer gemeinsamen Arbeit bewahren. Aus den zahlreichen orchestralen Glanzstücken sei der makellose Part der Tuba im zweiten Akt hervorgehoben. Insgesamt strahlte das Bruckner Orchester Glanz und Wohlklang aus.

Entgeltliche Einschaltung

Die Solistenriege vereinte neben Ensemblemitgliedern auch internationale „Wagner-Größen“. Lars Cleveman als Siegfried sparte sich seine Energien besonders für den dritten Akt auf, in dem er zum vollen Wagner-Tenor aufblühte. Im ersten Akt verhielt er sich stimmlich noch zurückhaltend und fühlte sich sichtlich im Outfit eines Rockers mit langen Haarsträhnen auch nicht sehr wohl. Über einen persönlichen Höhepunkt seiner Karriere darf sich Haustenor Matthäus Schmidlechner mit seinem Rollendebüt als Mime freuen. In Stimme und Darstellung war er eine Idealbesetzung - er erhielt am Schluss zurecht den meisten Jubel.

Gerd Grochowski ist ein weitum erfahrener und gesuchter Wotan/Wanderer. Gegen die mächtige Stimme von Björn Waag als Alberich war er freilich unterlegen. Waag würde auch größeren Häusern alle Ehre machen. Mit großem stimmlichem Fundament agierte Dominik Nekel als Fafner. Ein stimmliches Prachtstück als Erda lieferte Bernadett Fodor. Elena Nebera als Brünnhilde steigerte sich in ihrer großen Schlussszene nach anfänglich unruhigem Sopran zu überzeugender Wagner-Größe. Gotho Griesmeier schließlich gefiel als Waldvogel mit hellem Sopran.

50 x € 100,- Heizkostenzuschuss zu gewinnen

TT-ePaper 4 Wochen gratis ausprobieren, ohne automatische Verlängerung

Regisseur Uwe Eric Laufenberg meinte nach seinen beifällig aufgenommenen Inszenierungen von „Rheingold“ und „Walküre“ in Linz bei „Siegfried“ nun ein wenig zeitgeistig nachlegen zu müssen. Wie oft in solchen Fällen passten auch hier Ausstattung und Text nicht zusammen und sorgten etwa im Publikum für Lachen, als am Ende des ersten Aktes Siegfried mit seinem Schwert statt des von Wagner vorgesehenen Ambosses eine Melone spaltet, was auch erst im zweiten Anhieb gelang. Die Ausstattung von Gisbert Jäkel zeigt im ersten Akt für Mimes Behausung eine unglaubliche Rumpelkammer (eine Meisterleistung von Requisiteur Wolfgang Penz), Fafner hütet im zweiten Akt seinen Nibelungenschatz in einem Hochsicherheitstrakt, vor dem sich Alberich und Wotan mit dem „Wurm“ per Sprechanlage unterhalten.

Die von Falko Sternberg produzierten Videos verwenden einerseits die heute üblichen Bilder zum Thema Reichtum und Elend, andererseits beim Kampf Siegfrieds mit dem „Wurm“ Fafner Schablonen von Urwelt-Ungeheuern. Die Kostüme von Antje Sternberg passen sich dem „heutigen“ Regiekonzept an, es wirkt allerdings lächerlich, wenn Siegfried unter seinen Jeans und dem Sakko ein Schwert mit sich herumträgt. Auf eine besondere Personenführung hat Regisseur Laufenberg bei den verbalen und handgreiflichen „Duellen“ dieser Oper Wert gelegt, etwa zwischen Mime und Siegfried sowie Mime und Wotan/Wanderer im ersten Akt, Siegfried und Fafner im zweiten und zwischen Wotan/Wanderer und Erda sowie Wotan und Siegfried im dritten Akt.

Für die restlichen Vorstellungen des „Siegfried“ im Linzer Musiktheater gibt es nur noch Restkarten, lediglich für die Vorstellung am Weihnachtstag sind noch ausreichend Karten verfügbar.

(S E R V I C E - „Der Ring des Nibelungen, Zweiter Tag: Siegfried“, Oper von Richard Wagner. Inszenierung: Uwe Eric Laufenberg, musikalische Leitung: Dennis Russell Davies, Takeshi Moriuchi, Bühnenbild: Gisbert Jäkel, Kostüme: Antje Sternberg. Siegfried: Lars Cleveman, Mime: Matthäus Schmidlechner, Wanderer: Gerd Grochowski, Alberich: Björn Waag, Fafner: Nikolai Galkin/Dominik Nekel, Brünnhilde: Elena Nebera, Erda: Bernadett Fodor, Waldvogel: Gotho Griesmeier. Großer Saal des Musiktheater am Volksgarten, weitere Aufführungen: 15. November, 7. und 25. Dezember 2014, 17. Jänner, 28. Februar, 5. April und 14. Mai 2015. Karten: 0732/76 11-400 oder www.landestheater-linz.at)


Kommentieren

Entgeltliche Einschaltung