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Politstar und Parteichef Iglesias: Ein „Besen“ für Spaniens Politik

Madrid (APA/dpa) - Pablo Iglesias trägt keine Anzüge und Krawatten. Mit seinem Kinnbart und dem langen, zusammengebundenen Pferdeschwanz eri...

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Madrid (APA/dpa) - Pablo Iglesias trägt keine Anzüge und Krawatten. Mit seinem Kinnbart und dem langen, zusammengebundenen Pferdeschwanz erinnert er ein wenig an einen Hippie der 1970-er Jahre. Der 36-jährige Madrider Politikdozent ist jedoch alles andere als ein Relikt vergangener Zeiten. Iglesias ist der aufsteigende Star in der spanischen Politik und nun auch offiziell Parteichef von Podemos (Wir können).

Die Anfang dieses Jahres gegründete Linkspartei hat es sich zum Ziel gesetzt, die Wahlen im Herbst 2015 zu gewinnen und den spanischen Ministerpräsidenten zu stellen. Das Vorhaben mag vermessen klingen, aber ganz von der Hand zu weisen, ist es nicht. Iglesias und seine Anhänger hatten bei der Europawahl im Mai - nur zwei Monate nach der Einschreibung von Podemos ins Parteienregister - aus dem Stand fünf Sitze gewonnen. Heute liegen sie in Umfragen fast gleichauf mit der konservativen Volkspartei (PP) von Ministerpräsident Mariano Rajoy und den Sozialisten (PSOE).

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„Fünf EU-Abgeordnete sind schön und gut, aber nicht ausreichend, um die Dinge zu ändern“, sagte Iglesias der Online-Zeitung „Publico“. „Wir gehen aufs Ganze. Wenn wir bei Wahlen kandidieren, wollen wir auch gewinnen.“ Der Parteichef ist das Gesicht von Podemos, er ist der einzige Politiker der Partei, der einer größeren Zahl von Spaniern bekannt ist.

Die junge Partei gewann innerhalb weniger Monate die Sympathien von Millionen Wählern, die nach der Serie von Korruptionsskandalen in der PP und der PSOE das Vertrauen in die Politiker der etablierten Parteien verloren hatten. „Podemos ist ein Besen, der die Korruption aus der Gesellschaft hinausfegen wird“, verkündete Iglesias am Samstag nach seiner Wahl zum Parteichef.

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In den Politikern der etablierten Parteien sieht er eine „Kaste“, die gemeinsam mit den Chefs der großen Unternehmen die Macht monopolisieren und keine wirkliche Demokratie zulassen. „Podemos ist kein politisches Experiment“, sagte Iglesias. „Es ist das Resultat des Scheiterns der Oligarchen und deren Regimes.“

Der Parteichef wuchs im Madrider Arbeiterviertel Vallecas auf. Er schloss sich früh einer kommunistischen Jugendgruppe und später den Globalisierungsgegnern und der Bewegung der „Empörten“ an.

Iglesias macht keinen Hehl daraus, dass er der Linken angehört. „Da braucht man mich nur anzusehen“, witzelte er. Seine Partei rechne sich aber nicht der Linken zu, sondern wolle die Mitte erobern. „Wenn man das Szenario als einen Kampf zwischen oben und unten, zwischen der Kaste und der sozialen Mehrheit begreift, wird ein politischer Wandel möglich.“

Podemos hat sich mit der Wahl eines Vorstands nun als Partei etabliert. Das Programm ist allerdings noch wenig konkret. Es enthält eine Auflistung guter Absichten wie die Schaffung eines Mindesteinkommens für alle Spanier oder eine kostenlose Ausbildung und medizinische Versorgung.

Die Sozialisten halten Iglesias Populismus vor. Rajoy warnte, die von Podemos angestrebte neue Verfassung gefährde die Errungenschaften der spanischen „Transicion“ - des Übergangs von der Franco-Diktatur zur Demokratie. „Wenn jemand das zerstören und über Bord werfen will, handelt er vermutlich aus Unkenntnis“, sagte der Regierungschef.


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