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Internationale Pressestimmen zu Anschlag auf Synagoge in Jerusalem

Jerusalem/Ramallah (APA/dpa/AFP) - Zahlreiche internationale Pressekommentare befassen sich am Mittwoch mit dem tödlichen Anschlag auf eine ...

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Jerusalem/Ramallah (APA/dpa/AFP) - Zahlreiche internationale Pressekommentare befassen sich am Mittwoch mit dem tödlichen Anschlag auf eine Synagoge in Jerusalem am Dienstag. Die „Neue Zürcher Zeitung“ schreibt:

„Vor allem wird einmal mehr deutlich, dass auch die israelische Politik der Abschottung ins Abseits führt. Durch die Sperranlagen ging die Zahl der von Terrorgruppen im Westjordanland und im Gazastreifen geplanten Anschläge zwar zurück, dafür wächst der Druck in der arabischen Bevölkerung im Land, die sich isoliert, benachteiligt und bedrängt fühlt. Besonders augenfällig ist dies in Jerusalem, das durch die Mauer von seinem Hinterland abgeschnitten ist. Die Welle der Gewalt wird irgendwann verebben, die ungelösten Probleme aber bleiben. Vor allem israelische Politiker machten sich über den amerikanischen Aussenminister Kerry lustig, als dessen Friedensinitiative im Frühjahr scheiterte. Dabei bleibt es die einfache Wahrheit, dass ohne Verhandlungen und einen Interessenausgleich in Jerusalem keine Ruhe einkehren wird.“

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„Independent“ (London):

„Israel setzt den Siedlungsbau im besetzten Westjordanland fort. (Ministerpräsident) Benjamin Netanyahu verfolgt offensichtlich das Ziel, die Palästinenser bis zur Unkenntlichkeit zu schwächen. Netanyahus Beziehung zu Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas könnte nicht schlechter sein. Doch jede Entspannung in dieser jüngsten Krise kann nur mit diesen beiden Führern erreicht werden. Terrorangriffe gegen Zivilisten sind abscheulich und durch nichts zu rechtfertigen. Doch Hetzreden beider Seiten haben eine Spirale der Gewalt und der Frustration geschürt, die nichts bringt. Sie kann nur von den politischen Führern beendet werden.“

„El Pais“ (Madrid):

„Für den grausamen Anschlag in Jerusalem gibt es keine Rechtfertigung. Gewaltakte von Fanatikern dürfen aber nicht dazu dienen, ganze Völker zu verurteilen. Das Attentat unterstreicht die Notwendigkeit, den Friedensprozess im Nahen Osten zu fördern, der auf einem toten Punkt angelangt ist. Mehrere Staaten in Europa entschieden sich für die Strategie, Palästina als Staat anzuerkennen.

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Europa ist in einer privilegierten Position, denn die EU ist der wichtigste Handelspartner Israels und der größte Geldgeber der palästinensischen Regierung. Eine Anerkennung Palästinas darf nicht als ein Schritt interpretiert werden, der sich gegen jemanden richtet, sondern als ein Beitrag zum notwendigen Friedensprozess.“

„Sud Ouest“ (Bordeaux):

„Sicherlich, nichts kann die abscheuliche Tat von Dienstag früh entschuldigen, genauso wenig wie die Ermordung von fünf Israelis während der letzten Wochen. Doch was Probleme bereitet, das sind die Unnachgiebigkeit und die ständigen Provokationen der israelischen Regierung. Solange (Regierungschef Benjamin) Netanyahu seine Siedlungspolitik im Westjordanland fortsetzt, kann es keine Aussicht auf Frieden geben. Doch es ist nicht abzusehen, wer diese Politik des Schaffens von Fakten stoppen kann - eine Politik, die darauf abzielt, einen Palästinenserstaat, der diesen Namen verdient, zu verhindern. Sicherlich nicht (US-Präsident) Barak Obama, der durch die kürzlichen Kongresswahlen geschwächt ist. Und was die EU-Länder anbelangt, so glänzen diese durch Uneinigkeit und Hilflosigkeit (...).“

„Le Midi Libre“ (Montpellier):

„Auge um Auge, Zahn um Zahn. Wie nach jedem Anschlag auf seine Bürger zieht der israelische Staat sofort das Schwert der Rache. Und droht damit, den Angreifer blutig niederzuschlagen, militärische Vergeltungsanschläge zu lancieren und die Siedlungen auszuweiten. Ein Vergeltungsrecht, das seit Jahrhunderten im heiligen Buch der Juden verankert ist - und das letztlich die Eskalation der Gewalt mit Israels arabischen Nachbarn noch ankurbelt. Sicherlich, der mörderische Anschlag auf eine Synagoge in der Heiligen Stadt war ein abscheuliches Verbrechen. Das zu verurteilen ist. Doch eine Antwort, die ausschließlich auf Vergeltung abzielt, kann die Spannungen nur noch verstärken. Und den Hass anstacheln. (...) Israel muss auf seine alten biblischen Reflexe verzichten, wenn es - endlich - Frieden aufbauen will. Shalom.“


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