Straßennamen in Innsbruck: Frauenquote statt „Bumser“

Die FPÖ fordert eine Straße für den Südtirol-Aktivisten Luis Amplatz. Ein komplett falsches Signal, kontern SPÖ-Frauen.

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Von Sabine Strobl

Innsbruck –Was in Südtirol abgeschmettert wurde, soll in Innsbruck verwirklicht werden. Die FPÖ hat einen Antrag eingebracht, gemäß dem eine Straße in Innsbruck nach dem Südtirol-Aktivisten Luis Amplatz benannt werden soll. Vorgeschlagen für eine „Luis-Amplatz-Straße“ wurde die Verbindungsstraße zwischen Amraser und Pacherstraße. Zwei SPÖ-Gemeinderätinnen haben dagegen gestimmt, dass der Antrag in den Kulturausschuss wandert.

Marie-Luise Pokorny-Reitter lehnt das FPÖ-Ansuchen aus zweierlei Gründen ab. „Frauen sind bei Straßennamen unterrepräsentiert.“ Dies hat auch eine von der Stadt Innsbruck in Auftrag gegebene Studie hervorgebracht. Daraufhin wurde beschlossen, dass Straßen nach Frauen benannt werden sollen. Zweitens sei ein Südtirol-Aktivist nicht das richtige gesellschaftspolitische Signal. Pokorny-Reitter: „Er war an Sprengstoffattentaten beteiligt. Meiner Meinung nach und der von Angela Eberl dürfte Innsbruck keine Straße dafür einräumen.“

Die FPÖ erklärt, dass Traditionsvereine an sie herangetreten seien. Anlass sei der 50. Todestag von Luis Amplatz. „Ich würde es sehr befürworten, wenn für ihn ein Platz in Innsbruck gefunden wird“, sagt FPÖ-Gemeinderat Markus Abwerzger. Es sei wichtig, „dass auch die kommenden Generationen daran erinnert werden, welch leidvolle Geschichte das Land im Gebirge hatte.“

Darauf reagiert der Zeithistoriker Rolf Steininger mit Ironie. „Und als Nächstes kommt die Klotz-Allee“, verweist er auf einen weiteren Südtirol-Aktivisten. Man müsse sich überlegen, wie man sich an Geschichte erinnert. „Amplatz ist eine kontrovers diskutierte Person.“ Für die einen ist er ein Freiheitskämpfer, für die anderen ein Terrorist. Tatsächlich war Amplatz in der zweiten Welle der Aktivisten. Er wurde wegen Terrorismus verurteilt und – vom italienischen Geheimdienst organisiert – von einem Tiroler ermordet. Wie Steininger zu bedenken gibt, müsse bei solchen Straßennamen ein Konsens in der Politik herrschen. „Ein Mehrheitsbeschluss ist zu wenig.“

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Knapp 700 Straßennamen zählt Innsbruck. Die Liste mit Vorschlägen ist lang. Immer noch stehen auf den Anträgen Männer. „Freie Straßen gibt es nur in den Randgebieten. In der Stadt kommt es kaum zu Umbenennungen. Oft sind es nicht so prominente Bereiche, die nach Frauen benannt werden“, erklärt Pokorny-Reitter. Die kleinen Gassen neben dem Landhaus II sind nach der Tiroler Sozialdemokratin Maria Ducia und der christlich- sozialen Politikerin Notburga Klammer benannt. Gegenüber befindet sich die Ilse-Brühl-Gasse, benannt nach einem NS-Opfer. „Es fällt auf, dass Frauen kleine Wegelein bekommen. Frauen haben nicht 100 Prozent Priorität“, sagt auch die Historikerin Josefine Justic, die sich mit Innsbrucks Straßennamen beschäftigt. Die Namen spiegeln Ideologie und Zeitgeist wider. So wurden nach dem Ersten Weltkrieg und der Abgabe von Südtirol einige Straßen nach Südtiroler Orten, wie Bozen und Brixen, benannt. Im Faschismus wurde der Rennweg zum Adolf-Hitler-Platz. Im aufkeimenden Tourismus der 50er-Jahre kamen lockende Namen, wie Gletscherblick in Igls, dazu. Ab den 80ern rückte das Gedenken an jüdische Opfer und an Widerstandskämpfer näher. Ob jetzt die Frauen drankommen, ist fraglich.

Aber eine Bürgerin soll besondere Berücksichtigung finden. Die verstorbene Bürgermeisterin Hilde Zach ist im Gespräch für den Platz vor dem entstehenden Haus der Musik.


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