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1914/2014 - Montenegros Premier erzürnt Serben mit Sarajevo-Aussagen

Belgrad/Podgorica (APA) - Der montenegrinische Ministerpräsident Milo Djukanovic hat mit einer Rede zum Gedenken an den Beginn des Ersten We...

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Belgrad/Podgorica (APA) - Der montenegrinische Ministerpräsident Milo Djukanovic hat mit einer Rede zum Gedenken an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren diese Woche Serben und die pro-serbische Opposition im eigenen Land verärgert. Die Regierung in Belgrad wollte die Aussagen Djukanovics zum Attentat von Sarajevo nicht kommentieren. Zeitungsberichte ließen die negative Stimmung aber deutlich werden.

Djukanovic nannte die Ermordung des österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand durch den bosnischen Serben Gavrilo Princip am 28. Juni 1914 in Sarajevo einen „Terrorakt“. Es sei eine historische Tatsache, dass das damalige Montenegro diesen nicht unterstützt habe.

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Serbische Medien titelten darauf mit „Milos Attentat auf Princip“ oder „Milos Attentat auf Serbien“. In führenden Tageszeitungen war von „Geschichtsrevision“ die Rede. Der montenegrinische Oppositionspolitiker Milan Knezevic (Demokratische Front), wurde mit den Worten zitiert, es handle sich um einen Versuch, „die ruhmreiche Generation der Ahnen“ zu erniedrigen.

Der Belgrader Historiker Cedomir Antic stufte die Äußerungen des montenegrinischen Regierungschefs als Demagogie eines „Diktators“ ein. Mit dem Wort „politische Abenteuertum“ bedachte der bosnisch-serbische Historiker Borivoje Milosevic Djukanovics Ausführungen.

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„Es gilt, die historischen Tatsachen von ihrer unterschiedlichen Interpretationen zu unterscheiden“, mahnte die Belgrader Historikerin Dubravka Stojanovic. Aus ihrer Sicht wollte sich Djukanovic von der serbischen Deutung des Attentates von Sarajevo distanzieren und damit auf die Eigenständigkeit Montenegros hinweisen. Allerdings befände sich das heutige Montenegro im Bruch mit seiner traditionellen Geschichtsauffassung.

Von den meisten Serben, in Serbien, in Bosnien-Herzegowina und Montenegro wird Princip als Volksheld angesehen, das Attentat auf Franz Ferdinand als Heldentat. Das vor dem Ersten Weltkrieg als Königreich unabhängige Montenegro wurde 1918 in das neu entstandene Königreich Jugoslawien eingegliedert. 2006 nach einem Unabhängigkeitsreferendum löste sich Montenegro aus dem Staatenbund mit Serbien, der von Jugoslawien übrig geblieben war. Viele montenegrinische Serben blicken weiterhin nach Belgrad.


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