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Nach ungelöstem Mord im Flachgau: Prozess in Salzburg vertagt

Hof bei Salzburg/Salzburg/Wien (APA) - Der Mord an einem Autohändler (41) beim Fuschlsee in Salzburg im August 2007 ist zwar immer noch unge...

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Hof bei Salzburg/Salzburg/Wien (APA) - Der Mord an einem Autohändler (41) beim Fuschlsee in Salzburg im August 2007 ist zwar immer noch ungeklärt. Doch am Freitag musste sich ein 60-Jähriger in Salzburg vor Gericht verantworten. Er wollte laut Anklage das spätere Mordopfer unter Vorhalt einer Waffe zwingen, ihn nach Wien zu einer Aussprache zu begleiten. Der Angeklagte beteuerte seine Unschuld und hüllte sich dann in Schweigen.

Der Staatsanwaltschaft zufolge ist der beschuldigte Serbe Joan M. im Tatzeitraum 17. bis 25. August 2007 mit dem Mordopfer, dem bosnischen Autohändler Tomislav J., und einem weiteren Mann in einem Auto unterwegs gewesen. Die beiden Männer hätten den Autohändler dazu nötigen wollen, mit ihnen nach Wien zu fahren, um finanzielle Differenzen mit einer vierten Person auszuräumen.

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Der Autohändler war offenbar ein Mittelsmann für Falschgeld-Geschäfte in Europa. Wegen eines Streites mit Hintermännern um rund 120.000 Euro sollte die Aussprache in Wien stattfinden. Dazu kam es aber nicht mehr. Die Leiche des erschossenen Autohändlers wurde am 25. August 2007 von Wanderern in Hof bei Salzburg in der Nähe des Fuschlsees entdeckt. Der Begleiter des nun angeklagten Serben, ein kroatischer Staatsbürger steht im Verdacht, die tödlichen Schüsse abgegeben zu haben. Die Staatsanwaltschaft führt gegen diesen Mann ein abgesondertes Verfahren. Er hält sich offenbar im Ausland aus und ist derzeit für die Behörden nicht greifbar. Ursprünglich wurde ein bosnischer Geschäftsmann des Mordes verdächtigt. Die Ermittlungen gegen den Mann, der in Salzburg lebt, wurden jedoch eingestellt.

Gegen Joan M. wurde auch wegen Mordes ermittelt, doch es fehlten die dafür nötigen Beweise. Er bestritt bisher jede Beteiligung an der Tötung des Autohändlers und die nun angelasteten Vorwürfe der schweren Nötigung und der versuchten Freiheitsentziehung. Im Ermittlungsverfahren erklärte der Serbe, er sei gar nicht in dem Wagen gesessen. Seine Frau gab an, dass sie in dem Tatzeitraum mit dem Pkw von Wien nach Serbien als Beifahrerin unterwegs gewesen sei. Sie stand heute wegen falscher Beweisaussage vor Gericht und bekannte sich nicht schuldig.

Der Angeklagte wurde im Jahr 2010 von einem anonymisierten Zeugen, der offenbar aus Serbien stammt, belastet. Der Mann, der in einem anderen Verfahren in Wien wiederum von dem 60-Jährigen belastet und dann verurteilt worden war, soll angegeben haben, dass der 60-Jährige im August 2007 in einem weißen Auto blutverschmiert in Wien angekommen sei. Seine Lebensgefährtin wisse davon. Die Frau war am Freitag als anonymisierte Zeugin geladen, kam aber nicht zum Prozess. Sie übermittelte ein ärztliches Attest, wonach sie erkrankt ist. Ihr Freund hat ein Aufenthaltsverbot für Österreich.

Verteidiger Georg Schmeissner zeigte sich vor Einzelrichterin Madeleine Vilsecker verärgert. Die beiden Belastungszeugen hätten ihre Aussagen mittlerweile zurückgenommen, „sie wollen dazu nichts mehr beitragen“, erklärte der Rechtsanwalt. „Weite Teile des Aktes sind von der Einsicht ausgenommen. Die Verteidigungsrechte werden in diesem Verfahren eklatant missachtet.“ Seit 2007 versuche die Staatsanwaltschaft Licht ins Dunkel zu bringen, seit viereinhalb Jahre werde gegen den 60-Jährigen ermittelt - „allein aufgrund der Aussage eines anonymen Zeugen“, schüttelte er den Kopf. „Seit der Tat sind mehr als sieben Jahre vergangen. Erst jetzt wurde Anklage erhoben, obwohl die Faktenlage noch dünner ist als sie war.“ Sein Mandant werde heute nichts mehr Zusätzliches angeben, kündigte Schmeissner an, was der Angeklagte dann auch befolgte.

Dem Serben lastete Staatsanwältin Sandra Wimmer auch noch einen Tankbetrug im April 2014 mit einem Schaden von 58 Euro an. Zudem soll er im Februar 2010 einem Mann, dem er Geld schuldete, eine Revolverattrappe vorgehalten haben, damit dieser seine Fahrzeug-Kennzeichen nicht abmontiert. Auch dazu zeigte sich der Angeklagte nicht geständig. Die Richterin vertagte schließlich den Prozess zur Einvernahme von Zeugen auf 9. Jänner.


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