Entgeltliche Einschaltung

„A bisserl was geht immer“

Elfriede Jelineks „Prinzessinnendramen“ als lustvoll-spielerischer Subtext-Slalom im K2 in den Kammerspielen.

  • Artikel
  • Diskussion
© TLT/Larl

Innsbruck –Auf eine waffeldünne und spiegelglatte Textfläche wagt man sich am besten mit Schlittschuhen, pfeift aufs Pflichtprogramm zugunsten einer – durchaus zu Recht – frenetisch beklatschten kühnen Kür.

Entgeltliche Einschaltung

Aber der Reihe nach: Eigentlich bestehen Elfriede Jelineks „Prinzessinnendramen“ aus fünf Teilen – „Schneewittchen“, „Dornröschen“, „Rosamunde“, „Jackie“ und „Die Wand“. Für ihre Auseinandersetzung mit dem Stoff im K2 der Innsbrucker Kammerspiele hat sich Regisseurin Elke Hartmann „nur“ die märchenhaften Passagen des ebenso wort- wie anspielungsreichen Textungetüms, „Schneewittchen“ und „Dornröschen“ also, herausgepickt – und zu einem hintersinnigen Dramolett konzentriert. Das Resultat kann sich sehen lassen: Auf der von Katharina Ganner schnörkellos eingerichteten und in kühles Neonlicht getauchten Spielfläche wird das Verhältnis von Märchen und Macht verhandelt. Außerdem geht es um Schöpfung und Schicksal, Techno und Tod, Wahn und „die sieben Wahrheiten“. Hartmann inszeniert das Gegen- und Miteinander der auftretenden Figuren als Reigen eigenständiger Monologe. Bisweilen fühlt man sich an einen irrlichternden Rhetorikwettbewerb erinnert. Es ist also weniger die – hinlänglich bekannte – Handlung, die hier den Reiz ausmacht, sondern das angeregte Auseinandernehmen der Plot-Überbleibsel, der Versatzstücke-Rap. Der und das intensive Spiel der Darsteller, die weit weniger darstellten als anschaulich machten. Antje Weiser (Schneewittchen), Eleonore Bürcher (Dornröschen) und Timo Senff (Jäger, Zwerge, Prinz) gelingt dieser spielerische Subtext-Slalom vorzüglich. Höhepunkte sind der eingangs erwähnte Glatteis-Paarlauf und ein hinreißend bemitleidenswerter Verbal-Beischlaf. „A bisserl was geht immer“, sagt der Prinz kurz davor. Und beweist, dass sogar ein bisserl mehr geht. So viel lustvolle Unverfrorenheit würde man sich bisweilen auch bei Produktionen im Großen Haus wünschen. (jole)

50 x € 100,- Heizkostenzuschuss zu gewinnen

TT-ePaper 4 Wochen gratis ausprobieren, ohne automatische Verlängerung


Kommentieren


Schlagworte

Entgeltliche Einschaltung