Falscher Medikamenten-Einsatz kostet Österreich 2,4 Mrd. Euro

Durch einen effizienteren Umgang mit Arzneimitteln könnten weltweit rund 400 Mrd. Euro an Gesundheitskosten eingespart werden.

Symbolbild.
© Keystone

Wien - Weltweit könnten jährlich rund 500 Milliarden US-Dollar (401 Milliarden Euro) Gesundheitskosten eingespart und somit sinnvoller verwendet werden, wenn man Fehler in der Verschreibung und Verwendung von Pharmazeutika ausschalten könnte. Für Österreich würde das einen Betrag von 2,4 Milliarden Euro bedeuten. Das zeigt eine Studie des internationalen Pharma-Marktforschungsinstituts IMS Health.

„Wenn mit Medikamenten effizienter umgegangen wird, könnten die Gesamtausgaben für Gesundheit um bis zu acht Prozent gesenkt werden. Gleichzeitig könnte man die Patienten besser betreuen“, sagte IMS Health-Österreich-Verantwortliche Erika Sander.

Die Studie wurde unter Verwendung der vorhandenen Daten von IMS Health, offiziellen Statistiken etc. durchgeführt. Demnach ergibt sich ein Einsparungspotenzial durch eine mögliche bessere Verwendung von Arzneimitteln weltweit von 475 Milliarden US-Dollar (381 Milliarden Euro).

Davon entfällt der größte Teil auf den „Gewinn“, den das Gesundheitswesen durch eine größere Therapietreue der Patienten - die regelrechte Einnahme von vom Arzt verordneten Arzneimitteln - erzielen könnte: 269 Milliarden US-Dollar (216 Milliarden Euro). Mit weitem Abstand folgen dann die „zeitgerechte Einnahme“ von Arzneimitteln, zum Beispiel die frühzeitige Anwendung bei Entwicklung einer Erkrankung (62 Milliarden US-Dollar/50 Milliarden Euro) und eine gezielte Antibiotikatherapie ohne beim einzelnen Patienten gar nicht notwendigen Verschreibungen (54 Milliarden US-Dollar/43 Milliarden Euro). An vierter Stelle landen laut der Studie die vermeidbaren and derzeit vergeudeten Ressourcen durch Medikationsfehler mit 42 Milliarden US-Dollar (34 Milliarden Euro).

Österreich: 7,6 Prozent der Ausgaben unnötig

Das Unternehmen hat die international erhobenen Daten und Einflussgrößen auf Österreich umgelegt. Eine direkte „Austro-Berechnung“ ist nicht möglich. „Als valide Basis bräuchte es eine detaillierte Erhebung wie in Deutschland, um alle Einsparungspotenziale exakt festmachen zu können“, erklärte Erika Sander. Doch es spreche alles dafür, dass in Österreich mit 2,4 Milliarden Euro Einsparungspotenzial für das Gesundheitswesen via Arzneimittelsektor zu rechnen sei. Das würde 7,6 Prozent aller Gesundheitsausgaben entsprechen.

Laut der Modellanalyse für Österreich würden sich die Einsparungen so aufteilen: 1,4 Milliarden Euro (58 Prozent der möglichen Einsparungen) durch größere Therapietreue der Patienten, 300 Millionen Euro durch besseres Timing der Arzneimitteltherapie (13 Prozent), 200 Millionen Euro (acht Prozent) per gezielterer Anwendung von Antibiotika und beispielsweise ebenfalls 200 Millionen Euro durch Vermeiden von Medikationsfehlern.

An letzter von sechs angeführten Positionen steht schließlich das „Medikationsmanagement“, beispielsweise die direkte Beratung von Patienten durch Apotheker in Sachen Arzneimitteleinnahme (hundert Millionen Euro/vier Prozent der möglichen Einsparungen). Man wolle durch die Studie vor allem die Diskussionen in diesem Bereich vorantreiben und die Effizienz des Gebrauchs von Arzneimitteln fördern, heißt es dazu bei IMS Health.

IMS (Institute for Healthcare Informatics) ist das international größte Pharma-Marktforschungsinstitut. Es wurde 1954 von deutschen Emigranten in den USA gegründet und ist in 186 Staaten weltweit tätig, in Österreich seit mehr als 50 Jahren. Vergangenes Jahr geriet das Unternehmen - von Deutschland ausgehend - wegen der anonymisierten Übermittlung von Verschreibungsdaten durch Ärzte, Apotheker und Krankenhäuser in die Schlagzeilen. In Österreich wurde ein von der Wiener Ärztekammer angestrengtes Verfahren via Datenschutzkommission eingestellt. (APA)


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