Bakterien in der Kläranlage durch alte Kanäle bedroht
Undichte Kanalsysteme in den Gemeinden und sorgloser Umgang mit Frischwasser bereiten in der Verbandskläranlage AIZ in Strass Probleme.
Von Josef Lackner
Strass –„Trinkwasser hat in der Kläranlage nichts verloren“, so warnen AIZ-Geschäftsführer Josef Dengg und Betriebsleiter Christian Fimml vor einer Zunahme von großteils sauberen Fremdwässern im System der Kläranlage in Strass, an die 32 Gemeinden des Inn-, Achen- und Zillertals angeschlossen sind.
Auch große Mengen an Regenwasser bringen die Bakterien in den Becken der Kläranlage gehörig „ins Frösteln“, da sie Schmutz und vor allem wärmere Temperaturen bevorzugen. „Das heißt, Frischwasser verringert die Verweildauer des Abwassers in der Kläranlage um zwei bis drei auf etwa 25 Stunden, was dann aber eine Verringerung der Reinigungsleistung bedeutet“, erklären die beiden Experten. Immerhin handelt es sich hier um eine jährliche Fremdwassermenge von rund 900.000 Kubikmeter, die in der Kläranlage eintrifft, das entspricht vergleichsweise der Füllung des Stausees Gmünd bei Gerlos.
Die Ursachen des vermehrten Eindringens von Fremdwässern liegen in den teilweise über 60 Jahre alten Abwassereinrichtungen und -kanälen der Gemeinden, wovon einige mehr betroffen sind als andere. Da sorgen Materialermüdung, veraltete Baustoffe oder einwachsende Wurzeln für Schäden und somit für das Eindringen von Grund- bzw. Sickerwässern. Zudem rufen illegale Einleitungen oder Drainagen privater Natur genauso Probleme in der Kläranlage hervor wie gedankenlose Wasserverschwendung von Verbrauchern. Die Leitungen der AIZ zur 1989 errichteten Kläranlage sind jüngeren Datums und daher noch weniger gefährdet, wenn man von speziellen Materialfehlern wie bei der Leitung über den Kasbach absieht, wo des Öfteren Reparaturen notwendig geworden sind. Dabei verursachen aber vor allem die austretenden Abwässer Schäden.
Es gibt nun zwei Möglichkeiten, die Situation zu entschärfen: Entweder wird das Aufspüren von Schäden mit anschließender Sanierung des Leitungssystems verstärkt angegangen oder die Kläranlage muss um ein Becken erweitert werden. Letzteres hält Josef Dengg für den falschen Ansatz, denn dann müssten wegen einiger säumiger Gemeinden alle bezahlen. Er weist darauf hin, dass man im Abwasserverband zu den Gemeinden gute Kontakte habe und dass einige schon Sanierungsmaßnahmen angefangen oder geplant hätten. Es sei auch klar, dass es da um beträchtliche Kosten gehe, die auf die Kommunen zukommen.
Versickerungseinrichtungen für annähernd saubere Oberflächenwässer sind seit einiger Zeit bei neuen öffentlichen und privaten Bauten Pflicht oder können auch nachträglich verlangt werden, wofür dann ebenso private Haus- oder Wohnungsbesitzer zum Handkuss kommen. Wo keine Versickerung möglich ist oder die Abwässer gemischt in einem Rohr geführt werden, behilft man sich mit Rückhaltebecken, die zumindest verhindern, dass bei Starkregen die Kläranlage in Turbulenzen gerät.
Auch dem Umweltministerium ist die Erhaltung der Infrastruktur in der Wasserver- und -entsorgung ein großes Anliegen, was in der Initiative „Vor Sorgen“ zum Ausdruck kommt. Darin stellen neben dem Ministerium die Länder, die Wasserbranche, Städte- und Gemeindebund den Verantwortlichen auf kommunaler Ebene breite Unterstützung und Know-how zur Verfügung.