Unfallstatistik

Nur 30 Tote, aber 30 zu viel

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Die Tiroler Verkehrsabteilung der Polizei kann sich über einen absoluten Tiefstand bei Verkehrstoten freuen. Weitere Maßnahmen werden vom VCÖ dennoch eingefordert.

Von Reinhard Fellner

Wien, Innsbruck –30 statt 46 Verkehrstote verzeichnete Tirol 2014 im Vergleich zum Vorjahr. Ein Ergebnis, das der geringsten Zahl an Verkehrstoten seit 45 Jahren und somit seit Beginn der Zählungen entspricht. Tirol liegt damit nicht nur im Bundestrend, wo die Verkehrstoten ebenso von 455 auf 430 zurückgingen (siehe Grafik), sondern reiht sich damit auch unter die besten Bundesländer, wie Salzburg, Kärnten und Oberösterreich, die ebenso Tiefstände zu verzeichnen hatten, während in Vorarlberg (+8) oder in der Steiermark (+13) die Unfalltoten sogar zunahmen.

Ein Grund für den auffallenden Rückgang in Tirol könnte vielleicht auch im Wetter liegen. So regte der verregnete Sommer viele Motorradfahrer wahrscheinlich nicht zu allzu hohen Geschwindigkeiten auf Ausflugsfahrten an. So war laut Statistik des Innenministeriums die Zahl der getöteten Motorradfahrer (75), der Radfahrer (45) und der Fußgänger (75) im letzten Jahr rückläufig.

Markus Widmann, Leiter der Tiroler Verkehrsabteilung, dazu am Neujahrstag zur Tiroler Tageszeitung: „Das Ergebnis ist wirklich sehr erfreulich. Wie sich der verregnete Sommer darauf ausgewirkt haben könnte, analysieren wir jedoch noch. Weniger Motorrad-Unfälle hatten wir jedenfalls nicht zu verzeichnen.“

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Der Leiter der Polizei-Verkehrsabteilung führt die über die Jahre schon kontinuierlich positive Bilanz jedoch auf ein Bündel von Maßnamen zurück. Laut Widmann greift nun eben nicht nur die Kontrolltätigkeit der Verkehrspolizei, sondern auch die Sicherheitstechnik in den Fahrzeugen sowie die meist äußerst schnelle Rettungskette nach Unfällen.

Auch der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) verwies gestern auf das beste Unfallergebnis seit offizieller Zählung: „Die Zahl der Verkehrstoten ist in Tirol im Jahr 2014 deutlich zurückgegangen, aber das Leben von 30 Menschen wurde durch Verkehrsunfälle in Tirol ausgelöscht. Viel zu viele verloren einen Angehörigen oder Freund“, erinnert VCÖ-Expertin Bettina Urbanek. Dass mit Verkehrssicherheitsmaßnahmen der Blutzoll im Straßenverkehr deutlich gesenkt werden kann, belegen die vergangenen Jahre in Tirol. Die VCÖ-Analyse zeigt, dass seit dem Jahr 2002 die Zahl der Verkehrstoten um 70 Prozent zurückgegangen ist.

Durch weitere Maßnahmen und den Ausbau des öffentlichen Verkehrssystems können Verkehrsunfälle vermieden werden. Auf Bundesebene setzt sich der VCÖ nun für eine Erweiterung des Vormerksystems um Handy am Steuer ein. Urbanek: „Wer mit dem Handy am Ohr telefoniert, reagiert ähnlich langsam wie ein Alkolenker mit 0,8 Promille.“