Sternsinger in Tirol

Die kreativen Könige, zwei Kirchen und Nächstenliebe

Bald sind wieder rund 7.000 Tiroler Kinder als Sternsinger unterwegs.
© Julia Hammerle

In Tirol sind wieder 10.000 Kinder als Sternsinger unterwegs, in Völs wird die Aktion der Katholischen Jungschar zum ökumenischen Projekt.

Innsbruck –„Das Wichtigste am Sternsingen ist, dass Kinder in einem wohlhabenden Land nicht vergessen, dass es Menschen in vielen Teilen der Welt sehr viel schlechter geht“, meinte Kardinal Christoph Schönborn. Mit ihrem Einsatz zeigen österreichweit 85.000 Kinder – in Tirol sind es 10.000 – aber noch viel mehr: Helfen ist eigentlich ganz einfach – und es macht noch dazu Spaß. Das zeigen die feierlich-aufgeregten Gesichter von Maria, Gloria, Emma, Amelie und Leon und vieler anderer Kinder aus Völs ganz deutlich. Die Bedeutung ihrer Aufgabe ist ihnen anzusehen und lässt sie vielleicht sogar etwas größer erscheinen, auch wenn das eine oder andere für Sechs- bis Neunjährige etwas zu lange königliche Kleid nachträglich noch etwas hochgezogen werden muss.

In der Gemeinde Völs kommt schließlich noch etwas dazu: Helfen ist Ökumene. Weil das Ortsgebiet sehr weitläufig und die katholische Pfarre im Osten angesiedelt ist, finden die Sternsinger schon seit Jahrzehnten für einige Tage in der Weihnachtszeit in der evangelischen Kreuzkirche ganz im Westen Herberge. „Es gibt mehr, das uns verbindet, als uns trennt“, sagt der evangelische Pfarrer Bernhard Groß. Und: „Gemeinsam geht mehr.“ Außerdem würden es die Menschen heute nicht mehr verstehen, wenn sich die Kirchen nicht einig seien, wo es doch bei beiden um christliche Nächstenliebe gehe.

An diesem Tag strömen sechs Gruppen vom evangelischen Pfarrzentrum in der Friedensstraße 1 in verschiedene Richtungen aus. „Königliche Gemächer“ steht dort an die Eingangstür geschrieben, drin gibt es ein „Königliches Ankleidezimmer“, eine „Schatzkammer“ mit den Spendenboxen sowie glänzenden Weihrauchgefäßen – und die kleine Küche wurde kurzerhand zum „Krönungssaal“ umfunktioniert. Pastoralassistentin Katharina Baumgartner, Organisatorin der Sternsingeraktion in Völs, ist froh, „dass wir es bis jetzt noch jedes Jahr geschafft haben, das gesamte Gebiet abzudecken und jedem Haushalt einen Besuch abzustatten. Das schafft nicht jede Pfarrgemeinde!“ Aber auch in Völs sei es nötig, dass manche Kinder mehr als nur einmal losziehen. Besonders Engagierte haben sich fünfmal gemeldet, aber auch am Abend kann es mitunter etwas später werden. „Anfangs haben wir oft Sorge, ob es sich ausgeht, aber bis zur letzten Probe sind dann doch wieder alle Gruppen komplett. Die Kinder leisten wirklich einen großartigen Einsatz für andere.“

„Besonders in stark wachsenden Gemeinden mit immer größeren Siedlungsgebieten ist es jedes Jahr eine neue organisatorische Herausforderung, jedem Haushalt einen Besuch abzustatten“, sagt Eva Muther, Referentin der Dreikönigsaktion der Diözese Innsbruck. „Die Aktion ist deshalb zwar keinesfalls gefährdet, aber wenn sich zu wenige Kinder melden, ist manchmal Kreativität gefragt.“ Dann müsse eben eine Pfarre mit vielen Königen in einer anderen, mit weniger Freiwilligen gesegneten Gemeinde aushelfen.

Den Segen von Pastoralassistentin Katharina bekommen jetzt auch die Kinder in der Friedensstraße 1 in Völs. Noch einmal werden kurz Lied und Texte geprobt, anschließend geht es los. Jedes sammelt durchschnittlich 190 Euro für Menschen, die sich in einer Notlage befinden. „Die Könige folgen dem Stern“, heißt es nun, in diesem Fall der erst sechsjährigen Emma, die sich einen der größten Sterne ausgesucht hat. Die Empathie für die Straßenkinder in Bolivien ist groß: „Sie haben keine Familie und keine Wohnung“, sagen die Kinder. „Besonders im Winter muss das hart sein“, meint der neunjährige „Melchior“ Leon. (ms)

Solidarität in Zahlen und Fakten

Größte Sammelaktion für notleidende Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika: Die Dreikönigsaktion, das Hilfswerk der Katholischen Jungschar, belegt damit einen Platz unter den Top fünf der Spendenorganisationen in Österreich.

500 Hilfsprojekte: Seit den Anfängen im Jahr 1954 konnten die Sternsingerinnen und Sternsinger über 367 Mio. Euro ersingen. Im Vorjahr spendeten die Menschen in Österreich 16,1 Mio. Euro.

In 20 Entwicklungsländern in Afrika, Asien und Lateinamerika kommen Sternsingerspenden zum Einsatz, eines davon ist Bolivien. Dort werden Straßenkinder und arme Bauernfamilien unterstützt.

Mehr als Spendensammeln: Die Heiligen Drei Könige bringen auch etwas – und zwar die Friedensbotschaft und den Segen für das neue Jahr. Das gelebte Brauchtum ist bei der österreichischen Bevölkerung sehr beliebt.

„Wir sammeln Spenden, um das Leben von Menschen zum Besseren zu wenden“: Das Sternsingen ist auch ein beliebter Brauch, viele Menschen öffnen den Heiligen Drei Königen gern ihre Türen.
© Hammerle

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