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Rom will mit Brüssel Strategie gegen führungslose Schiffe erarbeiten

Rom (APA) - Nachdem Schlepperbanden zuletzt immer häufiger auf schrottreife, führerlose Frachtschiffe gesetzt haben, um Flüchtlinge nach Eur...

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Rom (APA) - Nachdem Schlepperbanden zuletzt immer häufiger auf schrottreife, führerlose Frachtschiffe gesetzt haben, um Flüchtlinge nach Europa zu bringen, macht Italien Druck auf die EU für eine gemeinsame Strategie, um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten. Innenminister Angelino Alfano hat diesbezüglich Kontakt zu EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos aufgenommen.

„Menschenhändler sind skrupellos. Um sie zu bekämpfen, müssen wir unsere Kräfte vereinen. Italien ist das Land, das in diesem Bereich am meisten geleistet hat. Jetzt werden wir unseren Einsatz an Europas Seite fortsetzen“, betonte Alfano. Rom habe auch Kontakte zu türkischen Ermittlern aufgenommen, um Informationen über die Routen der Schlepper auszutauschen.

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„Die Frachtschiffe starten von der Türkei aus. Die türkischen Behörden müssen die Kontrollen verschärfen, um die Abfahrt von Schrottschiffen zu vermeiden. Außerdem müssen wir enger mit Griechenland zusammenarbeiten, um zu verhindern, dass Flüchtlingsschiffe unsere Küsten erreichen, wie es bisher passiert ist“, sagte Alfano.

Bis zu zwei Millionen Euro kassieren die Schlepper mit alten Frachtern, die Hunderte Flüchtlinge an Bord haben. Auf hoher See gehen die Schlepper dann von Bord und überlassen die Menschen ihrem Schicksal. Die rund 800 Flüchtlinge an Bord des führungslosen Frachters „Blue Sky M“, der am Mittwoch die süditalienische Stadt Gallipoli erreichte, zahlten 5.500 US-Dollar (4.567 Euro) pro Kopf für die Reise. Das unter moldauischer Flagge fahrende Schiff war vom türkischen Hafen Mersin nahe der syrischen Grenze abgefahren.

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Die Flüchtlinge auf dem führungslosen Frachter „Ezadeen“ hatten sogar bis zu 8.000 Dollar (6.642,86 Euro) für ihre Überfahrt gezahlt, berichtete der Vorsteher der süditalienischen Provinz Cosenza, Gianfranco Tomao, unter Berufung auf Aussagen der 360 Flüchtlinge, die das Schiff im Hafen von Corgliano verließen. Die aus Syrien stammenden Flüchtlinge waren über den Libanon per Flugzeug in die Türkei gereist, wo sie an Bord der „Ezadeen“ gingen.

Auf der Flucht vor Kriegen, Verfolgung oder Armut haben nach UNO-Schätzungen seit Anfang 2014 mindestens 348.000 Menschen gefährliche Meeresüberfahrten gewagt - ein neuer Höchststand. In Italien seien mehr als 170.000 Menschen eingetroffen. Italien habe vier Mal mehr Flüchtlinge als im Vorjahr versorgen müssen.

UNO-Flüchtlingshochkommissar Antonio Guterres übte in einem Interview mit der Schweizer Zeitung „Le Temps“ Kritik an der EU-Mission „Triton“. Während das italienische Programm zur Rettung von Mittelmeerflüchtlingen „Mare Nostrum“ binnen eines Jahres mehr als 100.000 Menschen vor dem Ertrinken bewahrte, setzt das europäische Nachfolgprogramm „Triton“ den Fokus vermehrt auf eine Sicherung der EU-Außengrenze. Die Schiffe der EU-Mission sollen lediglich in einem Radius von 30 Seemeilen vor der italienischen Küste patrouillieren, federführend ist die EU-Grenzschutzagentur Frontex.

„Triton genügt nicht. Man muss im Mittelmeer einen breiten Einsatz wie ‚Mare Nostrum‘ garantieren, um weiteren Tragödien vorzubeugen. Die EU-Länder können das Flüchtlingsdrama nicht ignorieren“, sagte Guterres.


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