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Mit der Zither zu Weltruhm: Komponist Anton Karas starb vor 30 Jahren

Wien (APA) - Eine kleine Melodie für einen großen Filmklassiker hat Anton Karas berühmt gemacht: Sein auf der Zither gespieltes „Harry-Lime-...

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Wien (APA) - Eine kleine Melodie für einen großen Filmklassiker hat Anton Karas berühmt gemacht: Sein auf der Zither gespieltes „Harry-Lime-Thema“ ist eines der prägenden Elemente in Carol Reeds Kultthriller „Der dritte Mann“, dessen Uraufführung mehr als 65 Jahre zurück liegt. Der Todestag des weltberühmten Wiener Zitherspielers und Komponisten jährt sich am Samstag (10. Jänner) zum 30. Mal.

Bis heute ist das Stück Filmmusik von Anton Karas das einzige heimische Musikprodukt, das neben Falcos „Amadeus“ die Nummer 1 der US-Hitparade erklommen hat und sich dort zwischen 29. April und 14. Juli 1950 elf Wochen hielt. Die Originalpartitur liegt heute in der Nationalbibliothek, während jene Zither, mit der Karas 1949 die Melodie in einem Londoner Studio über mehrere Wochen komponierte und einspielte, im Wiener „Dritte Mann Museum“ im Bezirk Wieden ausgestellt ist. Rund 400 Cover-Versionen, darunter von den Beatles, sind im Laufe der Zeit entstanden, der Komponist selbst intonierte die Melodie 1973 zum 75.000sten Mal.

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Karas gilt längst als nationales Kulturgut. 2006, als er seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, huldigte ihm Wien mit zahlreichen Veranstaltungen und einer Gedenktafel an seinem Geburtshaus in der Leystraße im Wiener Bezirk Brigittenau. Hier kam Karas als Kind der Arbeiterklasse am 7. Juli 1906 zur Welt. Erst nach seiner Werkzeugschlosserlehre besuchte dieser, der bereits mit zwölf Jahren seine erste Zither erhalten hatte, die Musikakademie und arbeitete fortan als Zitherspieler in Sieveringer Heurigenlokalen.

Dort wurde er 1948 von Regisseur Carol Reed entdeckt, der seinen Thriller „The third man“ im zerbombten Nachkriegs-Wien drehte. Schriftsteller Graham Greene siedelte sein Krimi-Drehbuch um Penizillinschmuggel in die Ruinen der Donaumetropole an und erzählte vom Schwarzhändler Harry Lime (Orson Welles), der seinen Tod vortäuscht, um ungestört Geld scheffeln zu können. Zum Ensemble gehörten neben Welles und Joseph Cotten auch österreichische Größen wie Paul Hörbiger.

Neben den schrägen, faszinierenden Kameraeinstellungen und der finalen Verfolgungsjagd durch die Wiener Kanalisation sollte Karas‘ Komposition maßgeblich zur Bekanntheit des am 31. August 1949 in London uraufgeführten Films beitragen. Durch den enormen Erfolg konnte Karas auf eine mehrjährige Welttournee gehen, die ihn vor den Papst und den japanischen Kaiser führte. Nach der ersten größeren Tournee durch Europa und die USA wurde er im Juli 1950 sogar vom damaligen Bundeskanzler Leopold Figl (ÖVP) am Flughafen begrüßt.

Zurück in Wien eröffnete er 1954 seinen Heurigen „Weinschenke zum dritten Mann“, den er bis zu seinem Rückzug 1966 betrieb und zum Treffpunkt der Gesellschaft mit Stars wie Curd Jürgens, Hans Moser, Orson Welles oder Gina Lollobrigida ausbaute. Nach dem Ende seines Heurigen wurde Karas in den 1970er Jahren schließlich des öfteren bei der Eröffnung neuer Wienerwald-Filialen engagiert und wurde 1976 mit dem Goldenen Verdienstzeichen Wiens geehrt. Gestorben ist der Zitherstar schließlich am 10. Jänner 1985 in Wien. Heute liegt er in einem ehrenhalber gewidmeten Grab auf dem Friedhof seiner größten Wirkungsstätte: Sievering.

(B I L D A V I S O - Fotos von Anton Karas und seiner Zither wurden am 3. Juli 2006 über den AOM verbreitet und sind dort abrufbar.)


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