Jede Menge Führungswechsel

Erste Saisonen und letzte Runden, Warten auf frische Konzepte und neue Gesetze: Eckpunkte des österreichischen Kulturjahres 2015.

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© APA/ANDREAS PESSENLEHNER

Innsbruck –Eine erste Personalentscheidung soll demnächst fallen: Ab 1. Oktober 2015 leitet eine neue, doppelte Geschäftsführung das Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (mumok). 37 Bewerbungen sind eingelangt, darunter auch jene der amtierenden wissenschaftlichen Leiterin des mumok, Karola Kraus. Die derzeitige Museumschefin hat ihr Amt als Nachfolgerin von Edelbert Köb erst im Herbst 2010 angetreten, stand zuletzt aber wegen gesunkener Besucherzahlen in der Kritik.

Eine Reihe anderer Verlängerungen und Führungswechsel wurden bereits 2014 entschieden und werden 2015 schlagend: Ab Mai ist der steirische Kunsthistoriker Thomas D. Trummer, früher Kurator am Belvedere und derzeit Direktor der Kunsthalle Mainz, neuer Direktor des Kunsthauses Bregenz (KUB). Der bisherige KUB-Chef Yilmaz Dziewior wechselt bereits im Februar an das Museum Ludwig in Köln. Der Anthropologe, Kulturmanager und Wahl-Amerikaner Matti Bunzl übernimmt mit 1. Oktober 2015 die Direktion des Wien Museums von Wolfgang Kos, der in Pension geht.

Der seit Juni 2010 amtierende NHM-Direktor Christian Köberl und sein Vizedirektor und wirtschaftlicher Geschäftsführer Herbert Kritscher wurden kurz vor Weihnachten nach Prüfung der Bewerbungen durch eine Findungskommission bis 2020 verlängert. Mit Findungskommissionen werden im kommenden Jahr auch die Direktionen von Volksoper (ab 2017) und der Wiener Museumsquartier-GmbH (ab 2016) gesucht, eine Wiederbestellung der jetzigen Chefs Robert Meyer und Christian Strasser ist realistisch.

Etliche Amtsantritte sind 2015 auch auf Theater- und Festivalebene zu verzeichnen. Die prominentesten betreffen die Bregenzer und die Salzburger Festspiele, so Elisabeth Sobotka bzw. das Duo Sven-Eric Bechtolf und Helga Rabl-Stadler. An der Grazer Oper folgt Nora Schmid im September auf Sobotka. Anna Badora, die Leiterin des Schauspielhauses Graz, übergibt mit Saisonende an Iris Laufenberg und folgt mit der Spielzeit 2015/16 auf Michael Schottenberg am Wiener Volkstheater.

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2015/16 bekommen auch das Schauspielhaus Wien und brut wien neue Leitungen: Der gebürtige Wiener Tomas Schweigen (Jahrgang 1977) folgt im Schauspielhaus auf den nach Basel wechselnden Andreas Beck, die Dramaturgin Kira Kirsch folgt im brut auf Thomas Frank.

Am Linzer Landestheater startet Rainer Mennicken 2015/16 seine letzte Saison als Intendant, ehe Hermann Schneider vom Mainfranken Theater Würzburg übernimmt. Etwas Neues versuchen die Opernfestspiele St. Margarethen nach der Pleite der letzten Betreibergesellschaft: Sie vertrauen im ersten Jahr ohne künstlerische Leitung demselben Regisseur wie zuvor Intendant Wolfgang Werner: Robert Dornhelm inszeniert auch 2015 das Opernspektakel im Römersteinbruch. Gesucht wird im kommenden Jahr beim Donaufestival eine Nachfolge für Tomas Zierhofer-Kin, der nach dem Festival 2016 zu den Wiener Festwochen wechselt.

Im März erfolgt nach der Diagonale 2015 ein Leitungswechsel beim in Graz stattfindenden österreichischen Filmfestival: Die beiden jungen Oberösterreicher Peter Schernhuber und Sebastian Höglinger treten in die Fußstapfen von Barbara Pichler. Im Laufe des Jahres 2015 wird wohl die Leitung der Viennale ausgeschrieben werden, die seit 1997 von Hans Hurch geleitet wird, der 2016 seine rekordverdächtige 20. Festival-Ausgabe verantworten wird.

Und was steht auf kulturpolitischer Ebene sonst noch an? 2015 soll ein neues Urheberrecht kommen – mit oder ohne Speichermedien­abgabe. In den ersten Monaten soll auch die geplante Stärkung der Bundestheater-Holding verhandelt werden. Damit wird dann auch die Job-Description der nächsten Holding-Geschäftsführung feststehen, die vom interimistischen Chef Günter Rhomberg das Staffelholz übernehmen soll – möglicherweise als Doppelspitze wegen des Vier-Augen-Prinzips.

Das Bundesmuseengesetz soll Museen explizit den Aufbau eigener Sammlungsteile ermöglichen, die im Eigentum des betreffenden Museums stehen. Auf europäischer Ebene ist u. a. das Freihandelsabkommen TTIP interessant, bei dem sich das österreichische Parlament eine Berücksichtigung der UNESCO-Kulturkonvention wünscht. (APA, jel)


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