Auspeitschung von Blogger Badawi verschoben
Nach heftiger internationaler Kritik hat Saudi Arabien die für Freitag angesetzte Auspeitschung eines islamkritischen Bloggers verschoben. Die Verschiebung erfolgte laut offiziellen Angaben aus medizinischen Gründen.
Riad – Nach massiver internationaler Kritik hat die saudiarabische Justiz die für den heutigen Freitag geplante Auspeitschung des islamkritischen Bloggers Raif Badawi verschoben. Die Verschiebung sei aus „medizinischen Gründen“ angeordnet worden, teilte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International der APA mit. Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) betonte, dass Wien in dem Fall nicht locker lasse.
Unklar war zunächst, ob und wann die Auspeitschung Badawis fortgesetzt wird. Es könnte sich um einen Versuch Riads handeln, einen gesichtswahrenden Ausweg aus der Affäre zu finden, die den Bestand des Abdullah-Zentrums in Wien gefährdet. Der Blogger war zu einer Haftstrafe von zehn Jahren und 1.000 Peitschenhieben verurteilt worden. 20 Wochen lang soll er freitags mit jeweils 50 Schlägen malträtiert werden.
„Wunden noch nicht richtig verheilt“
Badawi sei vor der erneuten Auspeitschung zur Kontrolle ins Gefängnisspital gebracht worden. „Der Arzt stellte fest, dass die Wunden noch nicht richtig verheilt waren und dass er eine weitere Runde von Peitschenhieben nicht durchstehen würde“, schreibt die Menschenrechtsorganisation. Daher habe der Arzt eine Verschiebung der Auspeitschung um eine Woche empfohlen. Badawis in Kanada lebende Ehefrau Ensaf Haidar hatte sich besorgt über den Gesundheitszustand des 31-Jährigen gezeigt. Sie fürchte um das Leben ihres Mannes.
Amnesty-Vertreter Said Boumedouha bezeichnete es als „makaber“ und „empörend“, dass sich die saudische Justiz so um eine Heilung von Badawis Wunden bemühe, „damit er diese brutale Bestrafung immer wieder ertragen kann“. Er wies darauf hin, dass Badawis Leben immer noch „in unmittelbarer Gefahr“ sei.
Kurz drängt auf Begnadigung
Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) bezeichnete es in einer ersten Stellungnahme als „wichtig“, dass die für Freitag angekündigte Auspeitschung nicht stattgefunden habe. Österreich werde aber weiterhin „Druck machen hin auf eine Begnadigung“, betonte Kurz mit Blick auf gemeinsame Bemühungen mit EU, UNO und Bundespräsident Heinz Fischer. „Wir lassen nicht locker.“ Kurzdrängte am Freitag in einem Telefonat mit dem saudischen Vize-Außenminister Abdulaziz bin Abdullah bin Abdulaziz Al Saud darauf, dass Badawi begnadigt werde.
Die Grünen begrüßten die Verschiebung der Auspeitschung. Die außenpolitische Sprecherin Tanja Windbüchler sprach von einem „ersten Zwischenerfolg des zivilgesellschaftlichen Engagements“. Parteichefin Eva Glawischnig forderte, dass nun die Bemühungen für eine Begnadigung oder Außerlandesbringung Badawis intensiviert werden müssten. Zu diesem Thema hielten sich offizielle Stellen in Wien am Freitag bedeckt. Aus dem Innenministerium hieß es zu einem möglichen Asyl für Badawi, dass dieses nur in Österreich beantragt werden könnte.
Badawi warb für Religionsfreiheit
Badawi hat sich in seinem Blog für eine Gleichheit aller Religionen stark gemacht und den politischen Islam kritisiert. „Der Säkularismus respektiert jeden und beleidigt niemanden“, schrieb er laut der Londoner Zeitung „The Guardian“. Dagegen würden auf Religion gegründete Staaten ihre Völker „in einem Kreis aus Glauben und Angst gefangen halten“. (APA)
Die österreichische Regierung hatte sich zuletzt für den Blogger eingesetzt: http://goo.gl/weYoSa
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