Krim: Behördeneinsatz bei Krimtataren-Sender

Simferopol (APA) - Maskierte Vertreter russischer Behörden sind am Montag in das Gebäude des Krimtataren-Senders ATR in der Krim-Hauptstadt ...

Simferopol (APA) - Maskierte Vertreter russischer Behörden sind am Montag in das Gebäude des Krimtataren-Senders ATR in der Krim-Hauptstadt Simferopol eingedrungen. Laut ATR-Angaben beschlagnahmten sie Materialien, die sich auf den 26. Februar 2014 beziehen. Wenige Stunden vor dem Auftauchen bewaffneter „grüner Männchen“ hatten an jenem Tag Tausende Krimtataren ein letztes Mal für eine ukrainische Krim demonstriert.

Obwohl man in der Vergangenheit alle vom Geheimdienst FSB und dem staatlichen Ermittlungskomitee der Russischen Föderation angeforderten Informationen zur Verfügung gestellt habe, erklärte ATR-Vizedirektorin Lilja Budschurowa in ihrem Sender, sei diese Aktion von jemandem ganz oben angeordnet worden. Konkret beschuldigte sie die von Sergej Aksjonow angeführte Regierung der Krim. Diese hätte, so sagte sie, ein Problem mit der Existenz des unabhängigen und weltweit einzigen krimtatarischen Fernsehsenders. Budschurowa befürchtete, dass ihr Sender wegen der Beschlagnahmung von Geräten zumindest vorübergehend aus dem Äther verschwinden könnte.

Am 26. Februar 2014 hatten parallel zwei Großdemonstrationen vor dem Krim-Parlament stattgefunden: Anhänger des nunmehrigen Regierungschefs Sergej Aksjonow waren für eine Angliederung an Russland auf die Straße gegangen, mehrere Tausend Krimtataren, die den pro-russischen Demonstranten zahlenmäßig drei bis vier Mal überlegen waren, hatten für den Verbleib der Halbinsel in der Ukraine demonstriert.

In der Nacht auf den 27. Februar besetzten anschließend „grüne Männchen“, schwer bewaffnete Soldaten ohne Hoheitszeichen, das Parlamentsgebäude und leiteten damit formal die Annexion der Krim durch Russland ein. Aksjonow wurde noch am 27. Februar im von Bewaffneten kontrollierten Parlamentsgebäude zum Premierminister gewählt, gleichzeitig beschlossen die Parlamentarier auch die Durchführung eines Referendums.

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