Disput über hohes Risiko bei Kraftwerk

Innervillgraten darf Werk endlich bauen und will 6,8-Mio.-Kredit aufnehmen. LA Schett fordert, dass das Land das Risiko prüft.

(Symbolfoto)
© Thomas Boehm / TT

Innervillgraten – Seit acht Jahren plant die Gemeinde Innervillgraten ein Kleinkraftwerk am Staller- und am Kalksteinbach. Einsprüche von Gemeindebürgern, darunter auch von LA Josef Schett (vorwärts), zogen das Genehmigungsverfahren in die Länge. Sogar das Umweltministerium wies das Land an, die Sache noch einmal zu prüfen. Seit Kurzem liegt die endgültige Genehmigung nun am Tisch, sagt der Innervillgrater Bürgermeister Josef Lusser. Weitere Einsprüche sind seines Wissens nicht möglich. Ein Bagger ist schon vor Ort aufgefahren, eine Minibaustelle ist eingerichtet.

Schett warnt vor den finanziellen Risiken des Projekts. Unterstützung holt er sich vom Energieexperten Jürgen Neubarth, der auch am Kriterienkatalog für Tiroler Wasserkraftwerke mitarbeitete. Drei Gutachten hat Neubarth ausgearbeitet. Fazit: Das Projekt ist extrem risikoreich, viele Zahlen aus den Einreich­unterlagen kann Neubarth nicht nachvollziehen. „Es könnte leicht sein, dass das Kraftwerk zehn Prozent weniger Leistung erbringt als angegeben, weil man zum Beispiel den Eigenbedarf nicht berücksichtigt hat.“ Neubarths Zukunftsszenario ist eher düster. Nur im allerbesten Fall brächte das Projekt in 50 Jahren einen Gewinn von 1,5 Millionen Euro – im schlechtesten jedoch ein Minus von 1,7 Mio. Ein entscheidender Faktor ist dabei, wie die Gemeinde das Werk finanzieren will.

Schett hat vor Kurzem einen Antrag beim Tiroler Landtag eingebracht: Die Landesregierung soll die Wirtschaftlichkeit und mögliche Risiken beim Innervillgrater Kraftwerk prüfen und ebenfalls untersuchen, ob nicht ein gemeinsames Projekt mit Außervillgraten im Winkeltal sinnvoller wäre. „Innervillgraten hat ein Jahresbudget von zwei Millionen Euro, das geplante Werk würde ein Vielfaches kosten. Wie soll sich da eine Finanzierung ausgehen?“

Bürgermeister Josef Lusser (VP) bestätigt, dass Innervillgraten mit zwei Millionen Euro jährlich wirtschaften muss. Das Kraftwerk soll 6,8 Millionen Euro kosten, sagt er. „Finanzieren wollen wir das über die Bank. Denn es ist ein Projekt, das sich rechnet.“ Ein Partner sei nicht vorgesehen, doch die Bevölkerung soll eingeladen werden, sich zu beteiligen. Mittlerweile sind Bauarbeiten und Finanzierung ausgeschrieben, sagt Lusser. „In zwei bis drei Monaten werden wir sehen, ob wir eine Finanzierung bekommen.“ (co)

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