Telfer Schleicherlaufen: „Die Begeisterung ist echt gewaltig“

Schon vor dem Telfer Schleicherlaufen am Sonntag kommt Karl Walch eine wichtige Rolle zu: Als neue „Kindsdirn“ behütet er den „Naz“, die Symbolfigur der Fasnacht – und bringt sie verstärkt unter die Leute.

Wenn der Naz nicht gerade wohlbehütet in seinem Kinderbett schläft, ist er fleißig "on Tour".
© Domanig

Von Michael Domanig

Telfs –Mit schier grenzenlosem Enthusiasmus fiebern rund 500 aktive Fasnachtler – allesamt Männer – dem Telfer Schleicherlaufen am 1. Februar entgegen. Einer von ihnen ist Karl Walch. Als neue „Kindsdirn“ des Naz, einer bekannten Symbolfigur der Fasnacht, spielt er rund um das Schleicherlaufen einen entscheidenden Part.

Schleicherlaufen 2015 in Telfs

Das Schleicherlaufen findet am Sonntag, den 1. Februar, statt. Bereits um 7 Uhr Früh geht die „Sonne“ durch den Ort, um für gutes Wetter zu bitten. Um 10 Uhr werden die „Bären“ im Meaderloch eingefangen. Der eigentliche Fasnachtszug setzt sich um 11 Uhr beim Meisl-Bauern im Obermarkt in Bewegung. Er zieht durch die Hauptstraße Richtung Untermarkt.

Auf sechs Spielplätzen (siehe Plan) finden nacheinander die Aufführungen der Gruppen statt. Zentrales Ereignis ist der an uralte Rituale erinnernde Kreistanz der Schleicher. Ihren letzten „Kroas“ tanzen die Schleicher vor dem Friedhof für die verstorbenen Fasnachter.

Zugfolge: Sonne – Herolde – Musibanda – Jahreszeiten – Wilde – Schleicher – Bären und Exoten – Laninger – Vogler – Galtmahd – Bease Buam – Bachoufn – Kur­pfuscher – Soafnsieder.

Eintrittspreis: € 9,-, Kinder bis 14 Jahre frei. Rund um den Ortskern von Telfs stehen am 1. Februar mehrere Parkplätze zur Verfügung.

Fakten zur Fasnacht: Die rund 500 Teilnehmer sind allesamt Männer. Der erste Hinweis auf ein Maskentreiben in Telfs stammt aus dem Jahr 1571. Seit 1890 findet das Schleicherlaufen alle fünf Jahre statt. Heuer werden wieder 15.000 bis 20.000 Zuschauer erwartet.

Sein Vorgänger, Paul Neuner, verkörperte die Kindsdirn von 1975 bis 2010. „Diese Rolle lässt man nicht mehr los, wenn man sie einmal innehat“, meint Walch. Seit 1990 ist er Mitglied der „Laninger“, einer Traditionsgruppe der Fasnacht, die sich an den in Tirol einst alltäglichen, landfahrenden „Karrnern“ orientiert.

Das „liabste Kind“ der Laninger ist der Naz, eine historische Puppe in Kleinkindgröße, die um 1860 von Alois Klotz vulgo „Mammela Lott“ angefertigt wurde. Der Naz verfügt über höchst menschliche Fähigkeiten: Er kann Schnaps trinken, raucht wie ein Schlot – und übergibt sich gerne in hohem Bogen auf die Umstehenden, sehr zum Gaudium der Zuschauer. In der Naz’schen Familie hat sich zuletzt einiges verändert: Neben der Kindsdirn – Karl Walch war dafür schon länger vorgesehen – wurden zwei weitere zentrale Charaktere neu besetzt: Neuer „Laninger-Vota“ ist Arno Lamprecht, der neue „älteste Bua“ heißt Ernst Oberleitner. Die „Laninger-Muata“ wird hingegen auch diesmal von Pepi Santeler gespielt, der diese Rolle seit 1995 wahrnimmt – und heuer zum 14. Mal in die Fasnacht geht. Wohlgemerkt: Das Schleicherlaufen findet nur alle fünf Jahre statt.

Obwohl die Telfer Fasnachtsbräuche eine sehr lange Tradition haben – der erste Hinweis auf ein Maskentreiben stammt aus dem Jahr 1571 –, ist immer wieder Platz für neue Ideen. Karl Walch hat eine solche verwirklicht: „Naz on Tour“. Sein Vorgänger habe die Figur „nicht aus der Hand gelassen“, erzählt er. „Für mich war schon früh klar: Wenn ich Kindsdirn werde, will ich es anders machen und den Naz unter die Leute bringen.“ Also zogen die beiden los und absolvierten in den vergangenen Wochen ein dichtes Besuchsprogramm – lautstark begleitet von der Gruppe und der Laningermusig. Der Naz schaute nicht nur bei den 13 anderen Fasnachtsgruppen vorbei, sondern auch in Kindergärten und Volksschulen. Auf Wunsch machte er sogar Hausbesuche. Immer an seiner Seite: Karl Walch, natürlich in voller Kindsdirn-Montur mit Kopftuch und Schurz. „Das Ganze hat toll eingeschlagen, jeder will ein Foto mit dem Naz“, freut sich Walch. Von Kindern der Selfie-Generation bis zum Firmenchef, „der Naz spricht jeden an“. Und die Einladungen nehmen kein Ende.

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Auch von alten Fasnachtlern komme ein „sehr positives Echo“, was den „Naz zum Angreifen“ betrifft – für Walch „eine wichtige Bestätigung“. Natürlich müsse man aufpassen, dass die Puppe nicht gestohlen oder beschädigt werde, meint Walch. Aber bisher seien alle „sehr vorsichtig und respektvoll“ mit ihr umgegangen. Dass der Naz, der am 6. Jänner symbolisch ausgegraben wurde, rasch Anschluss an die Gegenwart gefunden hat, beweist seine Facebook-Seite: Als „Naz Laninger“ hat er binnen zwei Wochen über 1000 Freunde gefunden.

Beim Schleicherlaufen selbst nimmt der Naz zwischen Laningermutter und Kindsdirn einen Ehrenplatz am „Plachenkarren“ ein – und wird jede Gelegenheit zum Saufen und „Speibn“ nützen.

Wie viel Zeit er in die Fasnacht investiert, kann Walch nicht beziffern. „Man muss es gerne machen.“ Als Unternehmer könne er sich die Zeit aber ganz gut einteilen. Das Faszinierende an der Fasnacht ist für ihn jedenfalls die „gewaltige“ Begeisterung in Telfs. Dass in allen Gruppen viele Junge nachgerückt sind, freut ihn besonders.

In einem eigenen Kinderbett im Hause Walch ruht sich der Naz für seinen Auftritt vor bis zu 20.000 Zuschauern aus. Und wo wird er die fünf Jahre bis zur nächsten Fasnacht verbringen? „Das ist streng geheim“, meint Karl Walch mit breitem Grinsen.


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