Griechenland - Finanzieller Spielraum ist minimal

Wien/Athen/Frankfurt (APA) - Griechenland sitzt auf einen Schuldenberg von 320 Mrd. Euro und hat noch 2 Mrd. Euro Cash-Reserven - „die sind ...

Wien/Athen/Frankfurt (APA) - Griechenland sitzt auf einen Schuldenberg von 320 Mrd. Euro und hat noch 2 Mrd. Euro Cash-Reserven - „die sind Mitte März aufgebraucht“, umriss der österreichische Handelsdelegierte der Wirtschaftskammer in Athen, Gerd Dückelmann-Dublany, am Dienstag vor Journalisten in Wien die prekäre Lage.

Dazwischen werde Griechenland versuchen, sich mit kurzfristigen Schatzscheinen zu finanzieren. Die Troika der internationalen Geldgeber (EU, Europäische Zentralbank und Internationaler Währungsfonds) habe hier allerdings einen Deckel von 15 Mrd. Euro gesetzt, damit nicht ad infinitum Schulden gemacht werden - dieses Volumen ist dem Wirtschaftsdelegierten zufolge aber eigentlich bereits erreicht.

Auf dem Wege der milliardenschweren Programme zum Kauf von Staatsanleihen („Quantitative Easing“, QE), die EZB-Chef Mario Draghi vergangene Woche um mehr als 1 Billion Euro massiv ausweitete, werde Geld nach Griechenland kommen, erwartet Dückelmann-Dublany. Doch eigentlich dürften dabei nur maximal 33 Prozent der von einem Land begebenen Anleihen gekauft werden - griechische Anleihen befinden sich aber bereits zu 40 Prozent in Händen der EZB und anderer Notenbanken. „Wohin man schaut, ist der Spielraum minimal.“

„Jetzt geht es darum, relativ rasch zu einer Einigung mit den Gläubigern zu kommen“, sagte Dückelmann-Dublany. Bisher wurde das Land bereits mit rund 240 Mrd. Euro an internationalen Geldern vor der Staatspleite bewahrt, die 2009 unmittelbar bevorstand.

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Der neue Regierungschef Alexis Tsipras, der an der Spitze des linksorientierten Bündnisses Syriza steht, hat seinen Wählern jedenfalls einen weiteren Schuldenschnitt versprochen. „Das ist politisch nicht umsetzbar“, so die Einschätzung des Wirtschaftsdelegierten. Die Erwartungshaltung in der Bevölkerung sei aber hoch.

Die durchschnittliche Laufzeit der griechischen Schulden liege bereits bei 32 Jahren - alleine dadurch komme es ohnehin zu einem Schuldenschnitt um 40 Prozent, sagte der Handelsdelegierte und verwies dabei auf entsprechende Äußerungen des Chefs des Europäischen Rettungsschirms ESM, Klaus Regling. Im Sommer reiften ein paar Anleihen ab, aber man kommen nie unter die 33 Prozent. „Das heißt, das Ganze ist eine Phantomdebatte, die aus dem Wahlkampf heraus entstanden ist“, so Dückelmann-Dublany.

Den Euro sieht der Handelsdelegierte nicht gefährdet. Griechenland stelle nur etwa 2 Prozent der EU-Wirtschaftsleistung. „Das Land war nie ein großer Wirtschaftsfaktor - nach der Krise natürlich noch viel weniger“, räumte er ein. Die Banken hätten kaum noch Griechenland-Obligo - „das haben die Staaten bzw. staatsnahe Institutionen wie die Förderbank KfW in Deutschland“. Das stärkste Exposure in Griechenland habe derzeit das französische Geldhaus Credit Agricole mit Außenständen in Höhe von 3,4 Mrd. Euro.

„Im Augenblick kann man wirklich nur abwarten, wie sich das Verhältnis der Stakeholder (Geberländer, Anm.) zur neuen Regierung in Griechenland entwickelt - ob es zu einer wirtschaftlichen Ansteckung in Europa kommt“, fasste Dückelmann-Dublany zusammen. Die Frage sei, wie man mit den Reformforderungen der Troika umgehe - etwa das Pensionssystem und den öffentlichen Dienst betreffend. Das nächste Land, wo Wahlen anstehen, ist Spanien.

~ WEB http://wko.at

http://www.ecb.int ~ APA433 2015-01-27/14:17


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