Abdullah-Zentrum - Oberrabbiner Rosen: Aus durch Österreich wäre dumm

Wien/Riad (APA) - Mitten in der Debatte rund um die Schließung des König-Abdullah-Dialogzentrums (KAICIID) in Wien meldet sich Oberrabbiner ...

Wien/Riad (APA) - Mitten in der Debatte rund um die Schließung des König-Abdullah-Dialogzentrums (KAICIID) in Wien meldet sich Oberrabbiner und KAICIID-Boardmitglied David Rosen mit einer harschen Kritik an der österreichischen Politik im APA-Interview zu Wort. Das Zentrum jetzt zu schließen, wäre „dumm“ von Österreich.

Auch der Verweis auf die Menschenrechtslage in Saudi-Arabien ist zu hinterfragen, meint Rosen. Denn als das Zentrum Ende 2012 gegründet worden war, sei die Menschenrechtslage noch viel schlimmer gewesen als heute. Auch wenn er persönlich die Bestrafung des Bloggers Raif Badawi auf das Schärfste verurteile, so sei es nicht Aufgabe des KAICIID, explizit Länder zu verurteilen. Österreich habe der Gründung damals zugestimmt und mache sich durch die derzeitige Debatte lächerlich.

Es komme ihm vor, als ob die ganze Angelegenheit ein „österreichisches politisches Fußballspiel“ sei mit dem Abdullah-Dialogzentrum als Spielball, doch drohe dieses immer mehr zu einem Eigentor für die österreichischen Verantwortlichen zu werden. Zum Rücktritt von KAICIID-Vize-Generalsekretärin Claudia Bandion-Ortner stellte Rosen klar, dass ihr Posten im Gründungsdokument gar nicht vorgesehen war und erst von Österreich urgiert wurde. Des Weiteren habe Österreich es auch abgelehnt, neben Saudi-Arabien einen finanziellen Beitrag für das KAICIID zu leisten und immer darauf verwiesen, dass man dem Institut ohnehin durch Steuererleichterungen entgegengekommen sei.

APA: Was sagen Sie als Boardmitglied zur aktuellen Schließungsdebatte rund um das König-Abdullah-Zentrum, insbesondere in Zusammenhang mit dem Rummel ob der Weigerung Ihres Instituts, Saudi-Arabien für die barbarische Bestrafung des Bloggers Raif Badawi zu kritisieren?

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Oberrabbiner David Rosen: Hier gibt es einige befremdliche Aspekte, die zu beachten sind: Erstens hat Österreich damals bei der Gründung des Dialogzentrums genau gewusst, wie es um die Menschenrechtslage von Saudi-Arabien bestellt ist. Trotzdem wollte man Teil des Projektes sein. Wenn Teile der österreichischen Politik jetzt diese Kampagne starten, dann ist das wie in einem politischen Fußballmatch und das KAICIID dient als Ball, um innenpolitisches Kapital zu schlagen. Doch da macht man sich lächerlich, denn wenn die Debatte so geführt wird, gibt es zwangsläufig ein Eigentor.

Eine andere Sache ist die Bestrafung Badawis, die ich persönlich auf das Schärfste verurteile.

APA: Warum tut es dann das KAICIID als internationale Organisation nicht?

David Rosen: Hier sind wir wieder bei der Aufgabenverteilung. Ich bin mir ziemlich sicher, dass alle Boardmitglieder die Behandlung Badawis verurteilen. Ich selbst verurteile sie kategorisch und erwarte auch von allen Ländern dieser Welt dies zu tun. Aber wir als KAICIID haben eine andere Aufgabe, nämlich die Förderung des Dialogs. Genauso erwartet niemand vom europäischen Verband der Philharmoniker, sich zu Menschenrechtsfragen zu äußern.

Zu Österreich und dem Rücktritt von Bandion-Ortner möchte ich aber noch etwas sagen: Im Gründungsdokument war überhaupt keine Rede, dass es beim KAICIID eine Vize-Generalsekretärin geben soll. Das war der ausdrückliche Wunsch Österreichs.

APA: Noch einmal zu Badawi: Saudi-Arabien ist der Namensgeber Ihres Zentrums und der Hauptfinancier...

David Rosen: Zur Namensgebung möchte ich ein für alle Mal mit einem Missverständnis aufräumen. Nicht Saudi-Arabien, sondern die Bordmitglieder haben damals beschlossen, das Zentrum nach König Abdullah zu benennen. Und, was die Finanzierung betrifft, haben die Saudis damals Österreich ersucht und angeboten, auch einen Teil der Finanzierung des Zentrums zu übernehmen. Sie bekamen nur die Antwort, dass Österreich ohnehin als Standort zur Verfügung stehe und dem Institut Steuererleichterungen und den Status gewähre. Und lassen Sie mich noch eine kleine Geschichte vom jüngsten Weltwirtschaftsforum in Davos erzählen. Da hat Shimon Peres König Abdullah als bemerkenswerten Mann bezeichnet. Wegen der Friedenspolitik mit Israel und wegen des Dialogzentrums in Wien.

(Das Gespräch führte Arian Faal/APA)


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