Frau auf Parkplatz entführt: 28-Jähriger in Graz vor Gericht

Graz (APA) - Angsterfüllte Stunden hat eine junge Oberösterreicherin im November 2014 erlebt: Auf einem Parkplatz in Ansfelden stieg ein Man...

Graz (APA) - Angsterfüllte Stunden hat eine junge Oberösterreicherin im November 2014 erlebt: Auf einem Parkplatz in Ansfelden stieg ein Mann in ihr Auto, bedrohte sie mit einer Gaspistole und zwang sie, ihn fast bis nach Graz zu fahren. Am Mittwoch musste sich der 28-Jährige wegen schwerer Nötigung und schwerem Raub im Grazer Straflandesgericht verantworten. Er bekannte sich nur teilweise schuldig.

Als die 26-Jährige gerade aus ihrem Auto aussteigen wollte, riss der Beschuldigte die Beifahrertür auf, setzte sich in den Wagen und hielt der Frau eine Gaspistole an die Wange. Dann forderte er sie auf, loszufahren. Dass seine Freundin hinten ins Auto eingestiegen war, bekam die schockierte Lenkerin nur am Rande mit. „Sie durfte ihn nicht ansehen, er hielt bis Peggau die Waffe auf sie gerichtet“, beschrieb es Staatsanwältin Katharina Doppelhofer. Die Fahrt dauerte immerhin zweieinhalb Stunden, dann verließ der Slowake das Auto. Die Frau ging weinend in ein Cafe, dessen Besitzer die Polizei verständigte. Das verdächtige Paar wurde unmittelbar darauf gefasst.

Die Geschichte hörte sich beim Angeklagten völlig anders an: Zwar habe er die Frau zunächst mit der Waffe bedroht „aber nur kurz, dann habe ich sie eingesteckt“. Er habe sich entschuldigt und erklärt, er und seine Freundin seien vor der Mafia auf der Flucht. Daraufhin soll ihm die Oberösterreicherin freiwillig geholfen haben, auch Geld und ihre Jause habe sie ihm von selbst überlassen. Das Ganze, so die Verteidigerin, sei nur Freiheitsentziehung, keinesfalls Raub. „Ich war gestresst, ich habe so etwas noch nie gemacht“, versuchte der Beschuldigte zu erklären. „Super. Was glauben Sie, wie sich die Frau gefühlt hat?“, bemerkte Richterin Michaela Lapanje dazu.

Die Freundin des Angeklagten soll geschwächt gewesen sein und erlitt angeblich während der Fahrt einen epileptischen Anfall. „Das habe ich nicht bemerkt“, so das Opfer. Die junge Frau hatte panische Angst, vor Gericht dem 28-Jährigen zu begegnen, er wurde vor ihrer Befragung aus dem Saal gebracht. „Ich bin in Therapie und habe Albträume“, schilderte die Frau, die zum Tatzeitpunkt gerade zu Beginn ihrer Schwangerschaft war.

Ein Urteil des Schöffensenats wird für Nachmittag erwartet.


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