Terrorismus - Experte fordert mehr Mittel für De-Radikalisierung

Brüssel (APA) - Die westlichen Gesellschaften sollten nach Ansicht des Politologen und De-Radikalisierungsexperten Thomas Schmiedinger von d...

Brüssel (APA) - Die westlichen Gesellschaften sollten nach Ansicht des Politologen und De-Radikalisierungsexperten Thomas Schmiedinger von der Universität Wien mehr Geld in De-Radikalisierungsprogramme investieren, um dem Terrorismus vorzubeugen. „Es ist viel wichtiger, Geld in die De-Radikalisierung zu investieren, als nur die Polizei zu bewaffnen“, sagte Schmiedinger Mittwoch im EU-Parlament in Brüssel.

Notwendig seien solche Programme etwa in Gefängnissen, sagte der Politologe. Die Gründe für die Radikalisierung von Jihadisten liegen nach Erkenntnissen des Experten nicht in der Religion. „Die Leute sind nicht auf der Suche nach Religion.“ Vielmehr gehe es eine Entfremdung von der Gesellschaft und persönlichen Krisen. In Österreich kämen Jihadisten hauptsächlich aus Bevölkerungsgruppen, die selbst in ihrer Kindheit eine Kriegs-Traumatisierung erlebt hätten wie Tschetschenen oder Bosnier.

Der Jihadismus sei eine Ideologie, die sich selbst von traditionellen Muslimen distanziere, indem ihre Anhänger selbst definierten, wer „ein richtiger Muslim“ sei, und auch den Jihad als individuelle religiöse Pflicht definierten. Dabei habe der Jihadismus in Europa auch Elemente einer Jugend-Subkultur, etwa Pop- und Rap-Songs oder Comic-Strips, in denen die Ideologie transportiert werde, sagte Schmiedinger.

Die Diskussion fand auf Einladung des SPÖ-Europaabgeordneten Josef Weidenholzer statt. „Wir müssen uns mit den Gefahren des Terrorismus intensiv, aber unaufgeregt auseinandersetzen. Sicherheit ist dabei unser vorrangiges Ziel. Freiheit und Sicherheit sind gegenseitige Bedingung. Vielmehr braucht es Aktionen anstatt Populismus und Aktionismus“, sagte Weidenholzer, Mitglied im Innenausschuss des EU-Parlaments.

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Der Direktor des Flämischen Friedensinstituts, Tomas Baum, machte auf zahlreiche Beschaffungswege von Waffen aufmerksam. So habe es in Belgien bis September 2014 aufgrund der lockeren Rechtslage einen „Waffentourismus“ aus Frankreich, Deutschland und den Niederlanden gegeben.

Neben dem illegalen Waffenhandel könnten Terroristen auch über Diebstahl, Betrug oder ganz legal an Waffen gelangen, oder sich entsprechende Bewaffnung auch selbst bauen. Mit Plastikanfertigungen aus 3D-Druckern seien solche Waffen schwieriger zu entdecken, sagte Baum. Im Juli 2015 werde die EU-Kommission ein Maßnahmenpaket gegen Feuerwaffen vorlegen.

Manuel Navarrete Paniagua von der EU-Polizeibehörde Europol sagte, die größte Herausforderung in der Terrorismusbekämpfung bestehe im Moment darin, dass die EU-Staaten sich stärker vernetzten. „Bevor man Informationen teilt, muss man wissen, welche Information überhaupt benötigt wird.“


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