Wechselfaule Österreicher: 8 von 10 noch bei gleichem Stromanbieter

Wien (APA) - Die Österreicher zahlen zu viel für Strom und Gas, der Wettbewerb am heimischen Energiemarkt lässt zu wünschen übrig. Darauf we...

Wien (APA) - Die Österreicher zahlen zu viel für Strom und Gas, der Wettbewerb am heimischen Energiemarkt lässt zu wünschen übrig. Darauf weist der Energieregulator seit Jahren hin. Die E-Control sowie Verbraucherschützer wollen daher die Haushalte dazu bewegen, ihren Anbieter zu wechseln. Die Aufrufe haben nur begrenzt gefruchtet: Weit über 80 Prozent der Haushalte sind noch beim gleichen Lieferanten.

Dabei wurde der Strommarkt in Österreich bereits im Jahre 2001 und der Gasmarkt 2002 liberalisiert. Beim Strom haben bisher (bis September 2014) erst 17,4 Prozent der Haushalte ihrem Stromanbieter den Rücken gekehrt - über die Jahre zusammengerechnet. Bei Erdgas waren es kumuliert überhaupt nur 14,5 Prozent. Mehrfachwechsler sind da schon inkludiert. Die Wechselraten für die einzelnen Jahre dümpelten um die 1 Prozent dahin, wie aus E-Control-Statistiken hervorgeht.

2014 schlug sich die Energiekosten-Stopp-Aktion des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) etwas in der Statistik nieder. In den ersten drei Quartalen 2014 haben sich 3,3 Prozent aller heimischen Haushalte einen neuen Stromlieferanten gesucht und 4 Prozent einen neuen Erdgaslieferanten. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2013 hatten die Wechselraten lediglich 1,7 Prozent für Strom und 2,4 Prozent für Gas betragen.

Der VKI konnte voriges Jahr letztlich 98.000 Haushalte für seine Aktion gewinnen, angemeldet hatten sich 260.000 Endverbraucher. Die Konsumentenschützer hatten mit Enamo (stromdiskont.at) und Goldgas spezielle Pakete ausgehandelt. Die Aktion wird jetzt neu aufgelegt.

Etwas wechselwilliger sind traditionell Unternehmen, vor allem die energieintensive Industrie. Das gilt für Österreich gleichermaßen wie für die meisten europäischen Länder.

Im EU-Ausland sind aber auch die Haushalte weniger träge als die Österreicher, was den Anbieterwechsel betrifft. 2013 haben sich im Schnitt jeweils 5,6 Prozent der Privaten nach einem neuen Strom- bzw. Gasanbieter umgeschaut, zeigt der aktuellste Marktbericht der Koordinierungsstelle der europäischen Energieregulatoren (ACER) und des gemeinsamen Rats der nationalen Behörden (CEER). Allerdings sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern groß: In Großbritannien, Irland und den skandinavischen Ländern gibt es einen starken Wettbewerb am Strommarkt, ebenso in Spanien und Portugal. In diesen Ländern betrugen die Wechselraten 2013 jeweils über zehn Prozent. Bei Gas verzeichneten lediglich Großbritannien, Irland und Spanien knapp zweistellige Raten. Auch im Nachbarland Deutschland, dessen Energiemarkt stark mit dem österreichischen verzahnt ist, sind die Konsumenten deutlich wechselfreudiger als die Österreicher: Sieben von hundert Haushalten gingen 2013 zu einem neuen Strom- und knapp neun von hundert zu einem neuen Gasanbieter.

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~ WEB http://www.e-control.at

http://www.konsument.at ~ APA067 2015-01-29/08:00


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