PR-Ethik-Rat: Langenbucher über Schweigen der Branche „enttäuscht“

Wien (APA) - Etabliert, aber noch nicht am Ziel sieht Wolfgang R. Langenbucher den PR-Ethik-Rat, das Selbstkontrollorgan der PR-Branche, nac...

Wien (APA) - Etabliert, aber noch nicht am Ziel sieht Wolfgang R. Langenbucher den PR-Ethik-Rat, das Selbstkontrollorgan der PR-Branche, nach sechs Jahren Vorsitz. „Wir haben uns um mehr Transparenz bemüht. Über das Schweigen der Branche bin ich aber etwas enttäuscht“, sagte Langenbucher, der den Vorsitz des Gremiums im Jänner an Thomas A. Bauer übergeben hat, am Donnerstag bei einem Pressegespräch in Wien.

„Es fehlt an Whistleblowern, die über unethische Praktiken in der PR-Branche berichten. Ethische Prinzipien durchsetzen heißt auch die Augen aushacken“, meinte Langenbucher. So sei der PR-Ethik-Rat bisher überwiegend mit Verstößen gegen den „Trennungsgrundsatz“, die Unterscheidbarkeit zwischen redaktionellen Inhalten und Werbung in den Medien, befasst worden. Ein Thema, für das primär die Medienbranche und die Verwaltungsbehörden zuständig seien, die sich aber dieser Fragen nicht angenommen hätten. Ethik-Themen aus der PR-Branche seien hingegen selten an den Ethikrat herangetragen worden.

Der Rat habe deshalb laut Langenbucher auch von sich aus Fälle von unsauberer PR wie die Hochegger-Aktivitäten, gefälschte Gutachten, fragwürdige PR- und Lobbying-Konzepte oder zuletzt die massenweise Produktion von gefälschten Postings in Online-Foren und Sozialen Netzwerken aufgegriffen. Der Skandal um gefälschte Postings wird vom PR-Ethik-Rat derzeit noch untersucht. „Dieser Fall ist noch anhängig. Es gibt viele Beteiligte, alle Stellungnahmen werden sorgfältig geprüft und evaluiert. Das ist mit Abstand der komplexeste Fall, den wir je hatten“, berichtete die scheidende stellvertretende Vorsitzende Renate Skoff.

Die PR-Branche forderte Langenbucher jedenfalls zu „mehr Mut“ auf, wenn es um das Aufecken von Missständen in den eigenen Reihen geht. „Wer sich für die Einhaltung ethischer Regeln stark macht, muss auch Verstöße gegen diese Regeln aufzeigen, auch wenn dies Konfrontation mit anderen bedeutet.“ Zum Problem des „Trennungsgrundsatzes“ von redaktionellen Inhalten und Werbung hat der Ethikrat das Memorandum „PR-Ethik unter den Bedingungen des Medienwandels“ herausgegeben.

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Kernbotschaft laut Langenbucher: „Der ‚Trennungsgrundsatz‘ sollte ein Glaubensgrundsatz sein.“ Dies gelte nicht nur für den Zeitungsbereich, sondern auch für den Rundfunk. „Die größten Skandale um Product Placement finden im öffentlich-rechtlichen Rundfunk statt“, sagte Langenbucher.

Ingrid Vogl, Vorsitzende des Trägervereins des österreichischen Ethik-Rats für Public Relations, zeigte sich mit der bisherigen Arbeit des Gremiums grundsätzlich zufrieden. „Ziel war und ist es, seriöse Öffentlichkeitsarbeit von unethischem Verhalten abzugrenzen und unethisches Verhalten zurückzudrängen. Der PR-Ethik-Rat hat hier Pionierarbeit geleistet und die Ethikdiskussion in Österreich vorangetrieben“, so Vogl.

Künftig will sich der PR-Ethik-Rat mehr auf „exemplarische Fälle“ konzentrieren, bei denen Grundsatzthemen der Ethik im Mittelpunkt stehen, mit denen man den öffentlichen ethischen Diskurs in der Kommunikationsbranche anreichern kann, wie der neue Vorsitzende Bauer erklärte. Der Rat sehe seine Rolle in der Zukunft stärker als „Wegweiser“ denn als „Aufpasser“.


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