Propaganda auf dem Eis

Innsbruck – Der in Nordamerika als Sohn russischer Einwanderer geborene Regisseur Gabe Polsky eröffnet seinen Sportdokumentarfilm „Red Army“...

© Filmladen

Innsbruck –Der in Nordamerika als Sohn russischer Einwanderer geborene Regisseur Gabe Polsky eröffnet seinen Sportdokumentarfilm „Red Army“ mit einem launischen Statement des ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan. Im Gegensatz zum Kino, wo immer das Gute siege, sei der Ausgang in der Wirklichkeit ungewiss. Das sagte der Schauspielpräsident in den 80ern über die Dramaturgie des Kalten Krieges. Damals wurde an allen Fronten gekämpft und besonders heftig, so Polskys Arbeitsthese, von der Sowjetunion auf dem Eis. Der propagandistische Stellvertreterkrieg sollte für die Welt und die eigenen Bürger die Überlegenheit des kommunistischen Systems dokumentieren, während die Sportnationen der freien, kapitalistischen Welt scheinbar nur an der Schönheit der Darbietungen und dem Dabeisein interessiert waren.

Als Zeitzeugen bittet Polsky den ehemaligen Eishockeystar Slawa Fetissow vor die Kamera, der inzwischen ebenfalls die Laufbahn des Politikers eingeschlagen hat. Der Arbeitersohn Fetissow, Jahrgang 1958, begann bereits als Vierjähriger auf zugefrorenen Seen den Helden des sowjetischen Eishockeysports nachzueifern, als Zwanzigjähriger konnte er mit seinen Schlittschuhen schneller rückwärts als seine Gegner vorwärts laufen.

Wenn Polsky die Verknüpfung von Armee und Sport kritisiert, hat er einfach die Ressortaufteilung übersehen. Sogar in Österreich verwaltet der für Sportler zuständige Minister Landesverteidigung und Sport. Die Verbindung von Sport und Politik gibt es seit der Antike. (p. a.)

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Kommentieren


Schlagworte