Raiffeisen-Bankengruppe brütet an neuen Konstruktionen

Wien (APA) - Raiffeisen steht auch in Österreich vor einem massiven Umbau, um Kosten zu senken und Kapital zu schonen. Von einem Ende des dr...

Wien (APA) - Raiffeisen steht auch in Österreich vor einem massiven Umbau, um Kosten zu senken und Kapital zu schonen. Von einem Ende des dreistufigen Aufbaues - Raiffeisenbanken/Raikas, Raiffeisen-Landesbanken, RZB - wollen die wenigsten etwas wissen. Wohl aber werden auf verschiedenen Ebenen Varianten für Konsolidierungen und Fusionen gewälzt, heißt es. Einige Optionen sollen schon wieder vom Tisch sein.

Auf seine Kapitalvorteile durchgerechnet wurde nach APA-Informationen etwa bereits eine Vollfusion von Raiffeisen Zentralbank (RZB) mit der Raiffeisen Bank International (RBI). Diese Idee war, wie verlautet, aber eher ein Thema, bevor im letzten Quartal 2014 das Grüne Licht der Aufsicht für die Einstufung als „Kreditinstitutsgruppe“ kam. Die börsenotierte RBI gehört aktuell zu 60,7 Prozent der Raiffeisen Zentralbank (RZB).

Auf Vorgabe der europäischen und nationalen Aufseher muss künftig aber das Volumen von Garantien zwischen RZB und RBI reduziert werden. Daraus sind - wie die RBI in einer Investoreninformation im Dezember 2014 festhielt - negative Auswirkungen auf direkte Geschäftstransaktionen zwischen RBI und den Raiffeisen-Landeszentralen (insbesondere auf Liquiditätsflüsse) zu erwarten.

Eine „Konsolidierung“ der acht Raiffeisen-Landesbanken mit oder ohne RZB stand angeblich ebenso auf der Liste der geprüften Optionen wie eine Fusion der regionalen Raikas in den Bundesländern so wie bei den Volksbanken. Bei den Volksbanken läuft eine Fusionswelle, die mehr oder weniger auf eine große regionale Primärbank pro Bundesland hinausläuft. Schon im Ansatz war der Widerstand bei Raiffeisen in den Bundesländern gegen diese Ideen gewaltig.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Nachdem die RBI nach dem Verlustjahr 2014 ihren Aktionären - eben auch der Mehrheitsaktionärin RZB - eine Dividende schuldig bleibt, erwarten Analysten der Citibank auch für 2015 keine Dividende von der RBI, wie es in einer Citi-Analyse vom Donnerstagvormittag heißt.

Laut „Format“ ist bei den Raiffeisenlandesbanken zuletzt die Nervosität noch gestiegen. Nicht nur, dass die RZB zur Zeit keine Dividende und damit durchgerechnet auch die Landesbanken aus den RBI-Ergebnissen kein Geld erhalten werden; manche fürchten, dass ein Kapitalzuschuss nötig wird. Eine Kapitalerhöhung hat der RBI-Vorstand in den vergangenen Tagen aber dreimal öffentlich in Abrede gestellt. Für einige Landesbanken, die selbst über eine dünne Eigenkapitaldecke verfügen, wäre ein Kapitalzuschuss schwer darstellbar.

Vor der RBI-Aufsichtsratssitzung am gestrigen Mittwoch war der Druck auf den Vorstand gestiegen, einen Rückzug aus Russland vorzubereiten, so das „Format“ in seiner neuen Ausgabe. Bankchef Karl Sevelda ist aber strikt dagegen, er setzte Tatsachen: „Wir haben uns in einer Erklärung Anfang der Woche zu unseren russischen Kunden und zum Markt dort kommittiert. Für ein börsennotiertes Unternehmen ist das bindend.“ Ein Exit ist damit vorerst vom Tisch - laut Landesbankenkreisen allerdings nur für die nächsten sechs Monate, wie das Magazin mutmaßt.

Sevelda und sein Finanzchef Martin Grüll würden nun alle Hebel in Bewegung setzen, um die Landesbanken nicht zu belasten. „Es wird keine Kapitalerhöhung geben, weil sie nicht notwendig ist. Wir werden lediglich im Laufe des Jahres über Anleihen Tier-1-Kapital begeben“, wird Sevelda zitiert.

Die RBI-Aktie ist in den letzten Monaten ins Visier von Spekulanten geraten. Investoren fragten sich, ob die Kapitalpuffer auf Sicht reichen. Auch die Auswirkungen auf den Sektor sind im Gerede, heißt es im „Format“. Eine RBI-Krise würde zuerst die RZB und dann die Landesbanken treffen: „Nicht nur RBI wird Assets verkaufen müssen“, meint LBBW-Analystin Martineu-Trauner. „Auch die Landesbanken könnten zu Assetverkäufen gedrängt werden, wenn sie das Kapital nicht von den Genossenschaftern bekommen. JPMorgan-Analysten hatten zuletzt vor einem Dominoeffekt gewarnt, sollten größere Russland-Risiken der RBI schlagend werden. Raiffeisen hat auf solche Szenarien scharf reagiert.

In der „Wiener Zeitung“ werden Kapitalpartner für die RBI ventiliert, etwa die auf Osteuropa spezialisierte EBRD gemeinsam mit Investmentfonds. Eine Sprecherin nannte das eine „kuriose Spekulation“.

~ ISIN AT0000606306 WEB http://www.rbinternational.com/

http://www.rzb.at

http://www.raiffeisen.at ~ APA383 2015-01-29/13:47


Kommentieren