Frische Ideen für alterndes Tirol

Jeder Siebte ist 2025 in Tirol 70 Jahre oder älter. Der VCÖ fordert Maßnahmen im Straßenverkehr. Senioren-Obmann Kritzinger spricht sich für ein generelles Umdenken aus.

Das Alter ist kein Hindernis, Spaß zu haben und Verschiedenes auszuprobieren.
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Von Katharina Zierl

Innsbruck –92.000 Menschen sind in Tirol derzeit 70 Jahre oder älter. Bis zum Jahr 2025 wird die Zahl der Generation 70+ laut Prognose der Statistik Austria um 22.000 zunehmen. Der VCÖ (Verkehrsclub Österreich) warnt davor, diese Entwicklung bei der Verkehrsplanung außer Acht zu lassen. „Der demografische Wandel stellt auch die Mobilität vor große Herausforderungen. Das heutige Verkehrssystem hat für ältere Menschen noch viele Barrieren und Hindernisse. Es braucht rasch Maßnahmen, die zu einem seniorengerechten Verkehrssystem führen“, betont VCÖ-Expertin Bettina Urbanek.

Für ältere Menschen sei es wichtig, dass Gehwege breit genug sind und, dass sie keine Umwege gehen müssen – etwa um eine Straße zu überqueren. „Abkürzungen, häufigere Querungsmöglichkeiten von Straßen, längere Grün- und kürzere Rotphasen bei Fußgängerampeln, Begegnungszonen und auch ausreichend Bänke zum Rasten – das sind nur einige der möglichen Maßnahmen, um die Situation für die älteren Menschen zu verbessern“, betont Urbanek. Zentral sei, dass im Ortsgebiet Tempo 30 statt Tempo 50 gelte und es mehr verkehrsberuhigte Bereiche gebe, fordert die Expertin. Um das zusätzliche Angebot finanzieren zu können, bräuchten die Gemeinden Unterstützung. Der VCÖ schlägt vor, einen Teil der Einnahmen aus Verkehrsstrafen für den Ausbau eines altengerechten öffentlichen Verkehrsangebots und für eine fußgängerfreundliche Verkehrsgestaltung zu verwenden. „Es geht hier auch um Verkehrssicherheit. Ältere Menschen sind die größte Opfergruppe bei tödlichen Fußgängerunfällen“, sagt Urbanek.

Für Helmut Kritzinger, Obmann des Tiroler Seniorenbundes, ist die Verkehrsthematik nur ein kleiner Teil „eines dringend nötigen Umdenkprozesses“. Kritzinger ortet insgesamt einen großen Nachholbedarf: „Eine Korrektur ist nötig. Die Menschen werden heutzutage einfach um vieles älter als noch früher. Eine 60- oder 70-jährige Person ist meist noch sehr rüstig. Wir müssen das Alter anders einschätzen.“ Laut dem Obmann des Seniorenbundes habe „eine andere Zeitrechnung für die Menschen begonnen“. Natürlich wäre es auch sinnvoll, im Straßenverkehr gewisse Änderungen vorzunehmen, erklärt Kritzinger: „Die Gehsteige sollten beispielsweise wirklich den Fußgängern vorbehalten sein, damit sie sich sicher fühlen.“


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