Sloweniens Ex-Premier verpetzt Journalisten bei der CIA

Ljubljana (APA) - Ex-Premier Janez Jansa sorgt mit seiner Twitter-Aktivität wieder einmal für Aufregung in Slowenien. Der wegen Korruption v...

Ljubljana (APA) - Ex-Premier Janez Jansa sorgt mit seiner Twitter-Aktivität wieder einmal für Aufregung in Slowenien. Der wegen Korruption verurteilte Oppositionsführer bezeichnete über den Internetdienst Twitter einen Fernsehreporter, der über angebliche Verbindungen zwischen Neonazis und Jansas Demokratischer Partei (SDS) berichtet hatte, als einen potenziellen Terroristen.

„Seid aufmerksam auf den potenziellen Terroristen Erik Valencic“, schrieb Jansa am Mittwoch auf seinem Twitter-Account. Der Nachricht, adressiert an den US-Geheimdienst CIA und das israelische Außenministerium, fügte er drei Fotos des Journalisten hinzu. Auf einer posiert Valencic mit einen Maschinengewehr auf dem Schoß, auf einem anderen trägt er ein T-Shirt mit der Abbildung des getöteten Al-Kaida-Führers Osama bin Laden.

Als eine „klassische Ablenkungstaktik“ bezeichnete Valencic den Tweet des Ex-Premiers, der mit Ermittlungen gegen den Fernsehreporter zusammenfalle. Am Mittwoch wurde Valencic nämlich von der Staatsanwaltschaft wegen des Vorwurfs vernommen, im Vorjahr in einem Dokumentarfilm über slowenische Rechtsextreme vertrauliche Staatsinformationen veröffentlicht zu haben. In der Doku hatte er auch über angebliche Verbindungen zwischen der SDS und Neonazis berichtet. Die Partei hat diese Behauptungen zurückgewiesen.

Protest gegen die Twitter-Botschafter des konservativen Oppositionsführers legte am Donnerstag der slowenische Journalistenverband (DNS) ein. Sein Schreiben überschreite „alle Grenzen einer würdigen, akzeptablen und anständigen öffentlichen Kommunikation“, kritisierte der DNS. Die Twitter-Gemeinschaft reagierte mit Satire: Ein Foto von Jansa, einst auch slowenischer Verteidigungsminister, der mit einem tragbaren Raketenwerfer zielt, wurden ebenfalls mit der Warnung vor einem potenziellen Terroristen versehen.

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Experten warnen allerdings, dass diese Späße nicht ganz ungefährlich seien. Der Tweet könnte auch unangenehme Folgen für den Journalisten haben, hieß es. Damit sei nicht zu scherzen, mahnte der niederländische Experte für Internetsicherheit, Arjen Kamphuis, laut der Tageszeitung „Dnevnik“. „Solche Bezeichnungen werden von den US-Sicherheitsdiensten in ihren Systemen gesammelt und wenn der Journalist das nächste Mal in die USA einreisen möchte, wird er wahrscheinlich aus der Wartereihe ausgemustert und gründlich überprüft werden“, so der Experte.

Valencic, Journalist des öffentlich-rechtlichen TV Slovenija, war unter anderem Mitarbeiter der linksgerichteten Wochenzeitschrift „Mladina“ und des Radiosenders „Radio Student“. In den vergangenen Jahren berichtete er aus verschiedenen Kriegsgebieten, darunter aus dem Irak und Syrien. Im Irak sei 2006 in der Lobby eines Hotels auch das Foto mit dem Maschinengewehr entstanden. Nach zwei Aufenthalten in Gaza erschien 2011 sein Buch „Belagerung von Gaza: Das Töten des palästinischen Volkes“. Sein erster Einreiseversuch nach Gaza wurde 2004 durch die israelischen Behörden verhindert, er bekam für zehn Jahre ein Einreiseverbot - vermutlich wegen seiner pro-palästinischen Ansichten.

( S E R V I C E : Jansas Twitter-Account: https://twitter.com/JJansaSDS )


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